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Abschließendes Resümee des 3. Workshops und des LepiPub-Projektes insgesamt

August 3rd, 2010

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Der 3. Workshop war – wie gezeigt – in 2 Veranstaltungen aufgeteilt. Im Vorfeld war es nicht einfach festzulegen, wo diese hätten stattfinden sollen. Das Interesse von chinesischer Seite, diese auszutragen, war so groß, dass es sogar zu einer Konkurrenz der Austragungsorte führte. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich innerhalb kurzer Zeit herumgesprochen hatte, dass man im Rahmen unserer Workshops interessante Informationen erhält und auch spannende Diskussionen führen kann – vor allem interessant schien die potentielle längerfristige Perspektive zu sein. Während dies am Anfang nur sehr vage angedacht worden war, gibt es nun mehrere Initiativen, die Kooperation nachhaltig zu gestalten. Diese Initiativen werden von ganz verschiedenen Gruppen getragen und haben auch sehr verschiedene Inhalte. Vielversprechend sind derzeit

  • das nach dem Dezember-Workshop bereits begonnene Tagfaltermonitoring in der Region um Nanjing (wofür auch bereits ein entsprechendes Büchlein zu Artbestimmung vor wenigen Jahren publiziert wurde und daher optimale Bedingungen vorliegen),
  • die Arbeiten zur Ökologie und Verbreitung der Ameisenbläulinge (woraus die Beschreibung der neuen Art resultierte),
  • Verabschiedung einer gemeinsamen Resolution zum Biodiversitäts-Monitoring zusammen mit Prof. Haigen Xu und den Kollegen der Universität von Nanjing, und
  • die weitere Festigung der Kooperationen mit der Yangling University, insbesondere mit Prof. Yalin Zhang und Dr. Xiushan Li.


LepiPub01

Sollte es gelingen, auch nur eine dieser Aktivitäten über mehrer Jahre hinaus aufrecht zu erhalten, wäre das ein sehr hervorhebenswertes Ergebnis des LepiPub-Projektes. Für wahrscheinlicher halten wir es jedoch, dass wir mehrere dieser Initiativen langfristig werden aufrechterhalten können. An dieser Stelle möchten wir uns im Namen aller Teilnehmer der LepiPub-Aktivitäten nochmals ganz herzlich bei den Kollegen des BMBF wie des UFZ für die umfangreiche und stets sehr kompetente Unterstützung bedanken. Besonders erwähnen möchten wir hierbei gerne: Andreas Schmidt, Brigitte Großer, Christiana Tings, Christine Will, Cornelia Fischer, Ellen Selent, Martin Barth, Petra Bauer und Thomas Reuter.

Josef Settele und Team
Halle/Saale, im Juli 2010

Letzter Tag des 3. LepiPub Workshops in Yangzhou

August 2nd, 2010
Traditionelles chinesisches Frühstück

Traditionelles chinesisches Frühstück

Der 24. Juni erwies sich als krönender Abschluss unseres Chinabesuches. Nachdem wir am Abend des 23.Juni in Yangzhou eingetroffen waren, erwartete uns am folgenden Tag nach einem traditionellen chinesischen Frühstück der Besuch eines berühmten Vertreters  alter chinesischer Gartenbaukunst. Yangzhou gilt als Kulturstadt mit einer mehr 2400 Jahre zurückreichenden Geschichte und ist bekannt für sein wertvolles kulturelles Erbe und für seine wundervollen Gärten. Ein Vertreter ist der Geyuan oder Ge- Garten im östlichen Teil der Stadt und wurde während der Ming Dynastie angelegt.

Steinformationen im Ge Garten

Steinformationen im Ge Garten

Neben einer großen Vielfalt an Bambusarten, Teichen und Pavillons ist das unbestrittene Highlight der Steingarten. Dies ist durchaus wörtlich zu nehmen. Mit kunstvoll anmutenden Felsformationen wurden die vier Jahreszeiten in Szene gesetzt.

Vorführung im Teehaus

Vorführung im Teehaus

Das nächste Ziel war der Slender West Lake mit seinen beeindruckenden Brücken und einem historischen Teehaus, dessen Besuch wir uns natürlich nicht nehmen lassen wollten. Der folgende Link führt zu einem Audiobeitrag “Musik im Teehaus“. Zum Abschluss sollte die Besichtigung des Da Ming Tempels im Nordwesten Yangzhous nicht fehlen.

Da Ming Tempel

Da Ming Tempel

Er wurde vor 1500 Jahren erbaut. Nach schweren Beschädigungen während der Taiping Rebellion zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er nach 1930 nahezu vollständig wiederaufgebaut. Voll von einzigartigen Eindrücken verließen wir Yangzhou am Abend in Richtung Nanjing, wo wir am kommenden Tag den Rückflug nach Deutschland antreten sollten.

Pagodenturm im Da Ming Tempel

Pagodenturm im Da Ming Tempel

Besuch des Dafeng Naturreservats

Juli 8th, 2010
Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Am Morgen des 23.Juni verließen wir den Tagungsort in Nanjing und machten uns auf den Weg zum Dafeng Naturreservat. Zum wiederholten Male bekamen wir die äußerst beeindruckenden Dimensionen Chinas vor Augen geführt. Die auf der Karte noch durchaus komfortabel anmutende Entfernung nach Dafeng, entpuppte sich als 5 stündiger „Katzensprung“. So langsam gewöhnten wir uns jedoch inzwischen an chinesische Entfernungen. Die Region um Dafeng mit einer ausgeprägten 112 km langen Küstenregion war eines der Hauptzentren der Salzproduktion in China und ist inzwischen bekannt für die zahlreichen Nationalparks, insbesondere des größten Nationalparks für den in freier Wildbahn ausgestorbenen Davidshirsch (auch Milu genannt). Im Rückraum des Küstenstreifens befinden sich über 800000 ha an Feuchtgebieten mit einem enormen Artenreichtum an verschiedensten Insekten, Fischen, Säugern und Millionen an Zugvögeln.

Eine Herde Milos

Eine Herde Milos

Das Yancheng Dafeng Milu National Nature Reserve wurde speziell gestaltet um den in ursprünglich in China ausgestorbenen Davids Hirschen eine neue Heimat zu geben. Neben den Hirschen beheimatet das Reservat verschiedene gefährdete Tier und Pflanzenarten, vor Allem seltene Kraniche, Insekten und Fische.

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Der Davidshirsch oder Milu (Elaphurus davidianus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Hirsche  (Cervidae). Ursprünglich im östlichen Asien beheimatet, ist er in freier Wildbahn seit mehreren hundert Jahren ausgerottet und konnte nur durch Haltung in einem kaiserlichen Park von Peking und später in europäischen Wildgehegen überleben. Die ursprüngliche Verbreitung des Davidshirsches war lange Zeit unbekannt. Jüngere Fossilfunde zeigen, dass er im Pleistozän  noch nahezu in ganz China, sowie in Korea und Japan vorkam. Als vermeintliches Aussterbedatum des Davidshirsches in freier Wildbahn findet man immer wieder das Jahr 200 n. Chr. Wie auch immer die Überlieferung dieses Datums zustande gekommen ist, heute gilt als gesichert, dass Davidshirsche sehr viel länger überlebten.

Davids Hirsch beim abkühlen

Davidshirsch beim abkühlen

Nach Angaben des chinesischen Forschers Xia Jingshi lebten die letzten Herden wohl während der Ming-Dynastie, und die verbliebenen Einzelhirsche wurden im 17. oder vielleicht auch im 18. Jahrhundert getötet. Unbestätigten Berichten zufolge wurden noch im 19. Jahrhundert auf der Insel Hainan zwei Felle gefunden. Nachdem das Aussterben in China bekannt geworden war, entschieden sich alle Zoos, die Davidshirsche hielten, ihre Tiere in die Obhut des Herzogs von Bedford (England) zu geben, der verschiedenste exotische Hirscharten in seinen Gärten bei Woburn Abbey nördlich von London hielt und erfolgreich züchtete. 18 Exemplare stellten den weltweiten Restbestand dar. Hiervon waren ein Hirsch und fünf Hirschkühe noch fortpflanzungsfähig. Die kleine Herde, für die ein Internationales Zuchtbuch eingerichtet wurde, war ausgesprochen fruchtbar. Sie umfasste 1914 bereits neunzig Tiere und war 1946 auf dreihundert Hirsche angewachsen. Kleine Zuchtgruppen wurden auf verschiedene Zoos verteilt und züchteten überall erfolgreich. 1956 erhielt der Zoo von Peking fünf Davidshirsche.

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Erst 1985 wurden 39 Davidshirsche in ihrer ursprünglichen Heimat in das Dafeng Milu Naturreservat ausgewildert. Heute gibt es ausgewilderte Davidshirsche auch im Beijing Milu Park bei Peking. 2005 bestand die Weltherde aus 1.300 Exemplaren, von denen rund 1.000 in China leben. Daraufhin wurde das Zuchtbuch eingestellt. Die IUCN listet den Davidshirsch als in freier Wildbahn ausgestorben (extinct in the wild). Am Abend verließen wir das Reservat in Richtung Yangzhou, unserem nächsten Reiseziel.

Fragen nach dem Weg...

Fragen nach dem Weg...

International Forum on Biodiversity Monitoring in Nanjing

Juni 29th, 2010
Begrüßung zum Forum

Begrüßung zum Forum

Am 21. und 22. Juni 2010 fand das „International Forum on Biodiversity Monitoring“ in Nanjing statt. Professor Haigen Xu vom Nanjing Institute of Environmental Sciences (NIES) und das Chinesische Ministerium für Umweltschutz hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen. Nach einführenden Worten von Mr. Gunagqing Zhu vom Umweltministerium, PD Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Prof. Zhenning Gao, dem Generaldirektor des Institutes für Umweltwissenschaften wurden alle Teilnehmer des Forums zu einem Gruppenfoto geladen.

Übergabe des Atlas of Biodiversity Risk

Übergabe des Atlas of Biodiversity Risk

Zum Staunen der europäischen Gäste standen auf einem Platz vor dem Gebäude bereits Stühle mit den Namen der Forumsteilnehmer bereit und am Abend hielt jeder Teilnehmer ein eingeschweißtes Gruppenfoto mit Titel und Datum der Veranstaltung in den Händen. Am ersten Tag standen neben den Vorträgen der europäischen Gäste ein Vortrag zum Biodiversitätsmonitoring chinesischer Wälder und ein Vortrag über ein genetisches Monitoring der Panda-Populationen auf dem Programm. Am Abend klang der Tag bei einem großen chinesischen Abendessen in einem Restaurant in der Innenstadt von Nanjing aus. Am zweiten Tag der Veranstaltung stellte Professor Haigen Xu  „China´s progress toward 2010 biodiversity target“ vor und anschließend ging die Veranstaltung aufgrund der zahlreichen Vortragsanmeldungen in zwei parallelen Sessions weiter. In interessanten Vorträgen erfuhren wir mehr über besondere Arten wie den Schneeleoparden oder die Goldstumpfnase (Golden monkey, eine endemische Affenart) sowie das Monitoring einzelner Tiergruppen (Amphibien, Rastvögel in Tibet etc.). Das interessante und abwechslungsreiche Programm wurde simultan übersetzt, so dass sowohl die europäischen Gäste als auch die chinesischen Gastgeber allen Beiträgen problemlos folgen konnten. Die Veranstalter hatten ein Papier vorbereitet, über dessen Inhalt zum Abschluss des Forums diskutiert wurde. Als Ergebnis der Diskussion wurde nun die „Nanjing declaration“ an das chinesische Umweltministerium übergeben, in der die Notwendigkeit eines landesweiten Biodiversitätsmonitorings aufgezeigt und Ziele zum Erreichen des Erhaltes der Biodiversität formuliert wurden. Audiobeitrag Atlas of Biodiversity Risk

Angeregte Fachgespräche in der Vortragspause

Angeregte Fachgespräche in der Vortragspause

Weiterreise nach Nanjing und Besuch der Terrakottaarmee

Juni 24th, 2010
Beeindruckende Außenanlage der Terrakottaarmee

Beeindruckende Außenanlage der Terrakottaarmee

Am 20.06.2010, der Tag der Weiterreise zu unserer zweiten Station in Nanjing gestaltete sich mal ganz un-lepidopterologisch. Stattdessen gab es Kultur pur und das von beeindruckenster Art. Nichts weniger als die berühmte Terrakottaarmee von Xian aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., die erst Mitte der 70er Jahre von einem nach Wasser bohrenden Bauern entdeckt wurde, war unser touristisches Ziel. Wasser hat der Bauer damals nicht gefunden, dafür aber eine Sensation, die auch alsbald von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Terrakottaarmee, bestehend aus mehreren tausend überlebensgroßen Figuren, sollte das Kaisergrab des Reichseinigers schützen und vor Angriffen verteidigen. Das eigentlich beeindruckende an dieser kulturellen Höchstleistung des gleichermaßen genialen wie größenwahnsinnigen Kaisers ist, dass jeder dieser ungefähr 8000 Krieger andere Gesichtszüge hat.

Erster Teil der Terrakottaarmee

Erster Teil der Terrakottaarmee

Keine Kriegerfigur gleicht der anderen. Es sind lange nicht alle Figuren freigelegt. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die farbenfrohe Bemalung der Krieger an der Luft schnell verlorengeht und bisher keine Methode gefunden wurde, die Bemalung an der Luft zu konservieren, sind die weiteren Ausgrabungen eingestellt wurden. Nun wird daran geforscht, die Farberhaltung zu gewährleisten. Erst, wenn das gelungen ist, sollen die Ausgrabungen weitergehen. Gerne hätten wir mehr Zeit in dieser einmaligen Kulturstätte verbracht, doch die Zeit drängte, auf unserem ehrgeizigen touristischen Programm stand ja noch die Altstadt von Xian.

Blick über Xian

Blick über Xian

Xian, im 6. Jahrhundert n. Chr. gegründet, war einst die mit etwa 1 Mio. Einwohnern vielleicht größte Stadt der damaligen Welt und ein wichtiger Handelsknotenpunkt an der Seidenstraße. Die Altstadt ist noch heute von einer festungsartigen 12 m hohen, circa 10 m breiten und 13 km langen imposanten Mauer umgeben.

Man kann sich auf der Mauer Fahrräder leihen und eine Rundfahrt machen und hat von oben eine tolle Sicht. Am Abend dann der Weiterflug nach Nanjing, zum Internationalen Forum für Biodiversitäts-Monitoring.

Auf der alten Stadtmauer von Xian

Auf der alten Stadtmauer von Xian

2. Expedition in die Quinling Mountains und (fast) ein Treffen mit Pandas

Juni 24th, 2010
Die Untersuchungsflächen liegen in malerischer Landschaft

Die Untersuchungsflächen liegen in malerischer Landschaft

Am 4. Tag unseres Aufenthaltes in China stand eine weitere Exkursion in die Qinling-Berge (Ningshan County) auf dem Programm.  Um 8 Uhr morgens warteten bereits die beiden Kleinbusse vor der Tür, um uns zu den Studienflächen der Entomologen der Northwest A&F Universität Yanling zu fahren. Die Busfahrt führte zunächst auf kleinen Strassen durch die Vororte von Yanling, vorbei an kleinen Bauernhöfen, Kiwiplantagen und Feldern. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir die Autobahn und auf gut ausgebauten Strassen ging es dann weiter in die Berge hinein. Unsere chinesischen Begleiter Dr. Xiushan Li und Dr. Suqin Shang berichteten, dass die Fahrt in die Berge noch vor wenigen Jahren sehr beschwerlich und langwierig war. Es gab nur unbefestigte Strassen und in Serpentinen ging es bergauf und bergab. Seit ca. einem Jahr ist nun die neue Strasse fertig gestellt und dank zahlreicher Tunnel sind nur wenige Steigungen zu bewältigen. Höhepunkt der baulichen Meisterleistung ist ein 20 km langes Tunnelsystem aus mehreren, fast direkt aneinander anschließenden Tunneln. Nach etwa 2 Stunden Fahrt waren wir mitten in den Bergen und auf großen Hinweisschildern am Straßenrand waren Pandas zu sehen – wir befanden uns mitten in einem Schutzgebiet für Pandas.

Kurze Pause während der Exkursion

Kurze Pause während der Exkursion

Nach insgesamt 4 Stunden Busfahrt hatten wir endlich unser Ziel erreicht und auf einem schmalen Wanderweg ging es hinauf in die Berge. Der Weg führte zunächst durch Laubwald und endete in einer Höhe von ca. 2300 Metern auf einer grasigen Hochfläche. Audiobeitrag Der Aufstieg

Die grasige Hochfläche war das Ziel unserer Exkursion

Die grasige Hochfläche war das Ziel unserer Exkursion

Mit Netzen bewaffnet, machten sich die Schmetterlingsexperten sofort auf die Suche, doch im Gegensatz zum Vortag flogen hier nur wenige Falter. Die Schönheit der Umgebung machte den Mangel an Schmetterlingen allerdings wett. Entlang des Weges standen immer wieder kleine Bestände von Bambus, der Nahrung der Pandabären, so dass wir fast erwarteten, den schwarz-weißen Bären hinter einem Busch zu begegnen (was leider nicht der Fall war). Jedes Jahr fahren Studenten der Northwest A&F Universität Yanling im Sommer mindestens einmal pro Woche zu dieser Untersuchungsfläche und lernen die Grundlagen der Freilandökologie.

Beschwerlicher Abstieg

Beschwerlicher Abstieg

Unbekannter Dickkopffalter

Unbekannter Dickkopffalter

Aber plötzlich machte sich Aufregung breit, Mark Frenzel hatte einen fremdartigen Falter gefangen. Die chinesischen Kollegen waren erstaunt, so ein Exemplar haben sie noch nie gesehen. Die erste Einschätzung, ein Dickkopffalter. Eine nähere Bestimmung war zunächst nicht möglich, weder die deutschen noch die chinesischen Forscher haben so einen Schmetterling je gesehen. Wir sind auf weitere Erkenntnisse gespannt. Nach einer langen Rückfahrt klang der Abend bei einem großen Abendessen in Yanling aus. Professor Yalin Zhang hatte seine Gäste zum Abschied in eines der besten Restaurants der Stadt zu einem traditionellen Essen eingeladen.

Abschiedsdinner in Yangling

Abschiedsdinner in Yangling

Exkursion zum Xiaolongshan Mountain in der Gansu Province

Juni 22nd, 2010
Ab jetzt gehts zu Fuß weiter...

Ab jetzt gehts zu Fuß weiter...

Die erste große Exkursion führte uns am Morgen des 18.Juni zum Xiaolongshan Mountain in den Quinling Mountains. Die Quinling Mountains sind ein Bergmassiv, das sich mit 800 km Länge und 400 km Breite im Süden der Shaanxi Provinz erstreckt. Mit einer Höhe von bis zu 3767 m fungiert es als natürliche Grenze zwischen dem Norden und Süden des Landes und ist mit weltweit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten eine wahre Schatzkammer der Biodiversität. Das Areal beheimatet mehr als 3000 bis jetzt dokumentierte Pflanzenarten, darunter auch den Ginkgobaum. Neben der fünftgrößten Panda-Population bietet das Gebiet auch eine erstaunliche Vielfalt an Faltern.

2 Bläulinge machen es sich gemütlich

2 Bläulinge machen es sich gemütlich

Ziel war es, zwei der Tagfalter-Monitoring Transektstrecken von Dr. Xiushan Li kennenzulernen. Circa 80 Arten hat Dr. Li dort in den vergangenen Jahren regelmäßig gezählt und wir durften einen Teil der dortigen Schmetterlingsvielfalt bei schönstem Sommerwetter in Augenschein nehmen. Audiobeitrag 1.Exkursion

Die Teilnehmer begutachten einen Fund

Die Teilnehmer begutachten einen Fund

Bläulinge oder Eisvögel in einer Häufigkeit, wie sie in Deutschland selten anzutreffen sind, aber auch viele Arten, welche die meisten von uns vorher noch nicht gesehen hatten, da sie bei uns in Deutschland oder Europa nicht vorkommen. Zum Beispiel verschiedene Edelfalter-Arten der Gattung Neptis oder schwarz gefärbte Schwalbenschwanz-Verwandte. Besonders beeindruckend war für einige von uns das Massenvorkommen von Baumweißlingen (Aporia spec.). Schon die Fahrt von der letzten Ortschaft tiefer in die Berge hinein war begleitet von den im Flug manchmal schwerfällig anmutenden Faltern der Baumweißlinge, dass wir es auf unseren Sitzen im Bus kaum mehr aushalten wollten. Endlich stoppte der Bus, es konnte zu Fuß weitergehen und die Falter aus nächster Nähe betrachtet werden. Der Weg führte uns die meiste Zeit entlang eines kleinen Baches am Beginn seiner langen Reise zum Gelben Fluss, an dessen nassen Ufern sich tausende Schmetterlinge niedergelassen hatten, um mit ihren Saugrüsseln etwas Feuchtigkeit aus dem sandigen Boden zu ziehen. Ununterbrochen gesellten sich neue Falter hinzu oder verließen andere die Ansammlungen, wovon es entlang des Baches oder an kleinen Pfützen am Weg so einige gab. Für uns Deutsche war das v.a. deshalb so faszinierend, weil der Baumweißling (Aporia crataegi), der in ganz Eurasien heimisch ist, in Deutschland nur noch selten anzutreffen ist. Konnten noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch bei uns regelmäßig ähnliche Ansammlungen an feuchten Stellen beobachtet werden, so ist die Art heute relativ selten anzutreffen. Dieser Schwund kann vielleicht mit den erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen der Raupen des Falters in Zusammenhang gebracht werden, die damals durchgeführt wurden, um Obstbaumplantagen vor einen Raupenbefall zu schützen. Die Larven der Baumweißlinge ernähren sich hauptsächlich von den Blättern verholzter Rosengewächse (Weißdorn, Schlehe, Obstbäume wie Pflaume oder Kirsche), weshalb sie bei starkem Auftreten der Art zu einem Problem für den Obstanbau werden konnten. Fraßschädlinge aus solch Plantagen herauszuhalten schien damals durchaus sinnvoll zu sein, während heute der zunehmende Verlust von Ackerrandstrukturen wie wegsäumende Hecken oder Streuobstwiesen in unserer heutigen Agrarlandschaft der Art das Überleben schwer macht. Auch das zunehmende Fehlen von ungeteerten Feld- und Waldwegen ließ die Anzahl geeigneter Saugstellen – speziell Wasserpfützen in kleinen Schlaglöchern – zurückgehen.Video Massenansammlung von Baumweißlingen

Massenansammlungen von Aporia crataegi und Aporia largeteaui

Massenansammlungen von Aporia crataegi und Aporia largeteaui

Tief beeindruckt von der Artenvielfalt und Anzahl der beobachteten Schmetterlinge machten wir uns mit dem Einbruch der Dunkelheit auf den Rückweg.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel erwartete uns aber noch eine handfeste Überraschung.  Während besonders die männlichen Exkusionsteilnehmer über den Verlauf der gerade in Südafrika stattfindenden Fussball Weltmeisterschaft mutmaßten,  bot sich uns in der Stadt Baoji plötzlich ein einzigartiger Anblick. Eine überdimensionale Videoleinwand, Liveübertragung der Partie Deutschland-Serbien und Volksfeststimmung mitten in China!

Public Viewing - mitten in China

Public Viewing - mitten in China

Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos. Es war ein einmaliges Erlebnis, wie die chinesischen Fans bei jeder Aktion der deutschen Spieler mitfieberten, ja richtig, die Sympathien lagen eindeutig auf der Seite der deutschen Mannschaft. Leider hatte die serbische Mannschaft etwas gegen einen Sieg der deutschen Mannschaft und so blieb ein kleiner Wermutstropfen bei diesem tollen Erlebnis. Mit dem Bewusstsein, eine neue Facette der chinesischen Bevölkerung kennengelernt zu haben, kamen wir gegen Mitternacht im Hotel an. Audiobeitrag Fußball in Baoji

Mitfiebern

Mitfiebern

International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring in Yangling

Juni 22nd, 2010

Am 17. Juni fand das “International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring” an der Northwest A&F University in Yangling statt. Prof.Dr. Yalin Zhang und PD Dr. Josef Settele eröffneten am Morgen des 17. Juni das Forum. Bei der Eröffnungszeremonie wurde der vor wenigen Wochen erschienene  Atlas of Biodiversity Risk übergeben und durch Josef Settele vorgestellt. Ein Highlight der Eröffnungszeremonie war die Würdigung des Engagements von Dr. Xiushan Li für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Ihm zu Ehren wurde die im Rahmen von LepiPub im Süden von China  entdeckte neue Ameisenbläulingsart Phengaris xiushani benannt, was mit „Xiushan’s Ameisenbläuling“ übersetzt werden kann. Da die Übersetzung von Xiushan “Schöner Berg” bedeutet und der Schmetterling in den Bergen vorkommt, passt dieser Name in doppelter Hinsicht. Sie ist die erste bekannte Art aus der Gruppe der Ameisenbläulinge, die in Bergwäldern vorkommt. Im ersten Vortrag „From Biodiversity Monitoring to Risk Assessment – the newly published Atlas of Biodiversity Risk“ ging Josef Settele näher auf Inhalte und Ansätze des Atlas ein.

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Der Atlas kombiniert die Hauptergebnisse des großen EU-Forschungsprojektes ALARM (68 Partner aus 35 Ländern in Europa und Übersee) mit einigen Kernergebnissen aus zahlreichen anderen Forschungsnetzwerken. Insgesamt haben 366 Autoren aus über 180 Institutionen in 43 Ländern zu dem 280 Seiten starken Atlas beigetragen. Er ist der erste seiner Art, der die Hauptfaktoren zusammenfasst, die zum Verlust der Artenvielfalt auf europäischer und globaler Ebene führen. Die Hauptrisiken sind der globale Klima- und Landnutzungswandel und die Umweltverschmutzung. Besonders relevant ist dabei der Verlust an Bestäubern und der Einfluss biologischer Invasionen, die gesondert hervorgehoben werden. Die Auswirkungen und Konsequenzen des Biodiversitätsverlustes werden in dem Werk mit einem starken Fokus auf sozioökonomische Faktoren und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschrieben. “Uns sollte klar sein, dass nicht eine einzelne politische Maßnahme die Artenvielfalt retten wird, sondern dass eine systematische Überprüfung aller Politikfelder notwendig ist, die die Biodiversität betreffen”, betont Josef Settele als Leiter des Herausgeberteams des Atlas. “Forschungsergebnisse sollten daher genutzt werden, um Programme kontinuierlich zu aktualisieren und Politiken nachhaltig weiter zu entwickeln.

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Nachdem Elisabeth Kühn das deutsche Monitoringsystem vorgestellt hatte, gab Dr. Mark Frenzel einen Überblick über TERENO. TERENO steht für „Terrestrial Environmental Observatories“. Die Initiative der Helmholtz-Gemeinschaft, zielt auf die Schaffung einer Beobachtungsplattform, die verschiedene terrestrische Observatorien in unterschiedlichen Regionen verbindet. 2008 wurden 3 Observatorien errichtet. Die Errichtung eines vierten Observatoriums ist in der Diskussion. Diese Observatorien liefern kontinuierlich räumlich und zeitlich erfasste Daten, die helfen, die Abweichungen von aktuellen Modellen zu erkennen. Die Kernpunkte sind dabei

* Beobachtung und Studium des Langzeiteinflusses des globalen Klimawandels, von Landnutzungsänderungen, sozio-ökonomischen Entwicklungen und menschlichen Eingriffen auf die terrestrischen Ökosysteme

* Bereitstellung von multi-skaligen und multi-temporalen Langzeitbeobachtungen von Umweltdaten

* Multi-skalige Analyse der Interaktionen und Reaktionen zwischen den Umweltkompartimenten Boden, Vegetation und Atmosphäre

* Entwicklung neuer Modellkonzepte und Scaling-Methoden für die Evaluierung effektiver Parameter, Flüsse und Zustandsgrößen für unterschiedliche Skalen

* Schließung der Skalen-Diskrepanz zwischen Messung, Modell und Management

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Rongjiang Wang von der Universität Peking stellte den Inhalt seiner Forschung zum Thema Habitatauswahl und Partnerwahlstrategien bei Melitaea cinxia, dem Wegerich-Scheckenfalter im Tianshan Gebirge vor. Nach einem Beitrag von Dr. David Roy Audiobeitrag Dr. David Roy zum Schmetterlingsmonitoring in Europa ging Dr. Xiushan Li auf den Einfluss von Habitatveränderungen und Klimatischer Erwärmung auf die Biodiversität und Schmetterlingen in ihrer Rolle als Indikator ein.

Weitere Beiträge von Sylvia Ritter zu Kryptischer Artbildung, Dr. Oliver Schweiger mit einem Beitrag zu Global Change und sich verändernden Interaktionen zwischen Arten und Dr. Reinart Feldmann mit einem Überblick über das Vogelmonitoring beschlossen den ersten Präsentationstag. Beim abendlichen Dinner stimmten sich die Teilnehmer auf den ersten Expeditionstag ein.

Abendliches Dinner

Abendliches Dinner

Start des 3. LepiPub Workshops in Yangling

Juni 16th, 2010
Eingang zum Schmetterlingsgarten

Eingang zum Schmetterlingsgarten

Wasserfall im Schmetterlingsgarten

Wasserfall im Schmetterlingsgarten

Am heutigen Tag war es nun wieder soweit, große Schatten voraus werfend, begann die vorerst letzte Chinaexkursion im Rahmen des Biodiversitätsprojekts LepiPub. Audiobeitrag Anreise Die besagten „großen Schatten“, nämlich die Entdeckung einer neuen Schmetterlingsart im Rahmen von LepiPub soll in einem Beitrag der kommenden Tage näher beleuchtet werden. Heute, dem 16.06.2010  traf nun die Deutsche Delegation in Yangling ein. Sie startete den Auftakt mit einem Besuch und Informationsaustausch im Northwest A&F University Museum’s Garden in der Yangling HighTech Industrial Demonstration Zone.

Dr. Oliver Schweiger im Entomologischen Museum

Dr. Oliver Schweiger im Entomologischen Museum

Dieser erstaunliche Museumskomplex umfasst 5 eigenständige Museen zu unterschiedlichen Bereichen, das Entomologische Museum, das Zoologische Museum, das Bodenmuseum, das Botanische Museum und das Chinesische Museum zur Landwirtschaftsgeschichte. Audiobeitrag Museumsinsel Ein Highlight ist sicherlich neben dem Kräuter- und Korngarten der Schmetterlingsgarten, ein weitläufiges Areal mit einer artenreichen Auswahl an frei fliegenden Schmetterlingen. Fasziniert aber auch sehr erschöpft ließen die Deutschen mit ihren chinesischen Kollegen beim Eröffnungsdinner den Begrüßungstag ausklingen.

Abschließendes Resümee des 2. Workshops

Dezember 23rd, 2009
Pausengespräch vlnr Markus Franzén, Houshuai Wang, Matthias Nuss

Pausengespräch vlnr Markus Franzén, Houshuai Wang, Matthias Nuss

Der 2. Workshop im Kontext des LepiPub-Projektes hat die beiden Delegationen einander ein weiteres Stück näher gebracht. Durch die Exkursionen und andere gemeinsame Aktivitäten am Rande des Workshops konnte man die Kontakte vertiefen und gegenseitiges Vertrauen schaffen. Es kristallisieren sich weitere Kooperationsmöglichkeiten heraus. Es werden weitere gemeinsame Analysen und Publikationen angedacht bzw. bereits entwickelt.

Ganqing Chen fotografiert während des Workshops

Ganqing Chen fotografiert während des Workshops

Zudem konnten Vorschläge unterbreitet werden, wie die zum Teil sehr spannenden Ergebnisse der chinesischen Kollegen international besser verbreitet werden können. Ebenso wurde die Vorbereitung eines längeren Aufenthaltes einer chinesischen Kollegin in Deutschland initiiert. Konkretere Pläne zu biogeografischen Analysen im Rahmen eines Forschungsvorhabens werden von chinesischer wie deutscher Seite als erfolgversprechend angesehen und sollen weiter verfolgt werden. Von chinesischer Seite gewinnt auch das Monitoring zunehmend an Interesse, so dass es eventuell gelingen könnte, einige erste Transekte in absehbarer Zeit einzurichten. Als sehr gutes Zeichen dafür, wie die Workshops in China ankamen und aufgenommen werden, kann auch gewertet werden, dass die Angebote, den nächsten und abschließenden Workshop im ersten Halbjahr 2010 zu organisieren, vielfältig sind. Voraussichtlich soll er an 2 Orten (Nanjing und Xi’an) stattfinden, so dass an beiden Universitäten unter anderem auch die Internationalität der entomologisch tätigen Kollegen herausgestellt werden kann. Alle Beteiligten freuen sich auf das Wiedersehen und die Festigung der Kooperation in wenigen Monaten.

Arbeit am Blog

Arbeit am Blog