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Archive for the ‘International’ Category

Abschließendes Resümee des 3. Workshops und des LepiPub-Projektes insgesamt

Dienstag, August 3rd, 2010

LepiPub02

Der 3. Workshop war – wie gezeigt – in 2 Veranstaltungen aufgeteilt. Im Vorfeld war es nicht einfach festzulegen, wo diese hätten stattfinden sollen. Das Interesse von chinesischer Seite, diese auszutragen, war so groß, dass es sogar zu einer Konkurrenz der Austragungsorte führte. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich innerhalb kurzer Zeit herumgesprochen hatte, dass man im Rahmen unserer Workshops interessante Informationen erhält und auch spannende Diskussionen führen kann – vor allem interessant schien die potentielle längerfristige Perspektive zu sein. Während dies am Anfang nur sehr vage angedacht worden war, gibt es nun mehrere Initiativen, die Kooperation nachhaltig zu gestalten. Diese Initiativen werden von ganz verschiedenen Gruppen getragen und haben auch sehr verschiedene Inhalte. Vielversprechend sind derzeit

  • das nach dem Dezember-Workshop bereits begonnene Tagfaltermonitoring in der Region um Nanjing (wofür auch bereits ein entsprechendes Büchlein zu Artbestimmung vor wenigen Jahren publiziert wurde und daher optimale Bedingungen vorliegen),
  • die Arbeiten zur Ökologie und Verbreitung der Ameisenbläulinge (woraus die Beschreibung der neuen Art resultierte),
  • Verabschiedung einer gemeinsamen Resolution zum Biodiversitäts-Monitoring zusammen mit Prof. Haigen Xu und den Kollegen der Universität von Nanjing, und
  • die weitere Festigung der Kooperationen mit der Yangling University, insbesondere mit Prof. Yalin Zhang und Dr. Xiushan Li.


LepiPub01

Sollte es gelingen, auch nur eine dieser Aktivitäten über mehrer Jahre hinaus aufrecht zu erhalten, wäre das ein sehr hervorhebenswertes Ergebnis des LepiPub-Projektes. Für wahrscheinlicher halten wir es jedoch, dass wir mehrere dieser Initiativen langfristig werden aufrechterhalten können. An dieser Stelle möchten wir uns im Namen aller Teilnehmer der LepiPub-Aktivitäten nochmals ganz herzlich bei den Kollegen des BMBF wie des UFZ für die umfangreiche und stets sehr kompetente Unterstützung bedanken. Besonders erwähnen möchten wir hierbei gerne: Andreas Schmidt, Brigitte Großer, Christiana Tings, Christine Will, Cornelia Fischer, Ellen Selent, Martin Barth, Petra Bauer und Thomas Reuter.

Josef Settele und Team
Halle/Saale, im Juli 2010

Besuch des Dafeng Naturreservats

Donnerstag, Juli 8th, 2010
Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Am Morgen des 23.Juni verließen wir den Tagungsort in Nanjing und machten uns auf den Weg zum Dafeng Naturreservat. Zum wiederholten Male bekamen wir die äußerst beeindruckenden Dimensionen Chinas vor Augen geführt. Die auf der Karte noch durchaus komfortabel anmutende Entfernung nach Dafeng, entpuppte sich als 5 stündiger „Katzensprung“. So langsam gewöhnten wir uns jedoch inzwischen an chinesische Entfernungen. Die Region um Dafeng mit einer ausgeprägten 112 km langen Küstenregion war eines der Hauptzentren der Salzproduktion in China und ist inzwischen bekannt für die zahlreichen Nationalparks, insbesondere des größten Nationalparks für den in freier Wildbahn ausgestorbenen Davidshirsch (auch Milu genannt). Im Rückraum des Küstenstreifens befinden sich über 800000 ha an Feuchtgebieten mit einem enormen Artenreichtum an verschiedensten Insekten, Fischen, Säugern und Millionen an Zugvögeln.

Eine Herde Milos

Eine Herde Milos

Das Yancheng Dafeng Milu National Nature Reserve wurde speziell gestaltet um den in ursprünglich in China ausgestorbenen Davids Hirschen eine neue Heimat zu geben. Neben den Hirschen beheimatet das Reservat verschiedene gefährdete Tier und Pflanzenarten, vor Allem seltene Kraniche, Insekten und Fische.

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Der Davidshirsch oder Milu (Elaphurus davidianus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Hirsche  (Cervidae). Ursprünglich im östlichen Asien beheimatet, ist er in freier Wildbahn seit mehreren hundert Jahren ausgerottet und konnte nur durch Haltung in einem kaiserlichen Park von Peking und später in europäischen Wildgehegen überleben. Die ursprüngliche Verbreitung des Davidshirsches war lange Zeit unbekannt. Jüngere Fossilfunde zeigen, dass er im Pleistozän  noch nahezu in ganz China, sowie in Korea und Japan vorkam. Als vermeintliches Aussterbedatum des Davidshirsches in freier Wildbahn findet man immer wieder das Jahr 200 n. Chr. Wie auch immer die Überlieferung dieses Datums zustande gekommen ist, heute gilt als gesichert, dass Davidshirsche sehr viel länger überlebten.

Davids Hirsch beim abkühlen

Davidshirsch beim abkühlen

Nach Angaben des chinesischen Forschers Xia Jingshi lebten die letzten Herden wohl während der Ming-Dynastie, und die verbliebenen Einzelhirsche wurden im 17. oder vielleicht auch im 18. Jahrhundert getötet. Unbestätigten Berichten zufolge wurden noch im 19. Jahrhundert auf der Insel Hainan zwei Felle gefunden. Nachdem das Aussterben in China bekannt geworden war, entschieden sich alle Zoos, die Davidshirsche hielten, ihre Tiere in die Obhut des Herzogs von Bedford (England) zu geben, der verschiedenste exotische Hirscharten in seinen Gärten bei Woburn Abbey nördlich von London hielt und erfolgreich züchtete. 18 Exemplare stellten den weltweiten Restbestand dar. Hiervon waren ein Hirsch und fünf Hirschkühe noch fortpflanzungsfähig. Die kleine Herde, für die ein Internationales Zuchtbuch eingerichtet wurde, war ausgesprochen fruchtbar. Sie umfasste 1914 bereits neunzig Tiere und war 1946 auf dreihundert Hirsche angewachsen. Kleine Zuchtgruppen wurden auf verschiedene Zoos verteilt und züchteten überall erfolgreich. 1956 erhielt der Zoo von Peking fünf Davidshirsche.

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Erst 1985 wurden 39 Davidshirsche in ihrer ursprünglichen Heimat in das Dafeng Milu Naturreservat ausgewildert. Heute gibt es ausgewilderte Davidshirsche auch im Beijing Milu Park bei Peking. 2005 bestand die Weltherde aus 1.300 Exemplaren, von denen rund 1.000 in China leben. Daraufhin wurde das Zuchtbuch eingestellt. Die IUCN listet den Davidshirsch als in freier Wildbahn ausgestorben (extinct in the wild). Am Abend verließen wir das Reservat in Richtung Yangzhou, unserem nächsten Reiseziel.

Fragen nach dem Weg...

Fragen nach dem Weg...

Weiterreise nach Nanjing und Besuch der Terrakottaarmee

Donnerstag, Juni 24th, 2010
Beeindruckende Außenanlage der Terrakottaarmee

Beeindruckende Außenanlage der Terrakottaarmee

Am 20.06.2010, der Tag der Weiterreise zu unserer zweiten Station in Nanjing gestaltete sich mal ganz un-lepidopterologisch. Stattdessen gab es Kultur pur und das von beeindruckenster Art. Nichts weniger als die berühmte Terrakottaarmee von Xian aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., die erst Mitte der 70er Jahre von einem nach Wasser bohrenden Bauern entdeckt wurde, war unser touristisches Ziel. Wasser hat der Bauer damals nicht gefunden, dafür aber eine Sensation, die auch alsbald von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Terrakottaarmee, bestehend aus mehreren tausend überlebensgroßen Figuren, sollte das Kaisergrab des Reichseinigers schützen und vor Angriffen verteidigen. Das eigentlich beeindruckende an dieser kulturellen Höchstleistung des gleichermaßen genialen wie größenwahnsinnigen Kaisers ist, dass jeder dieser ungefähr 8000 Krieger andere Gesichtszüge hat.

Erster Teil der Terrakottaarmee

Erster Teil der Terrakottaarmee

Keine Kriegerfigur gleicht der anderen. Es sind lange nicht alle Figuren freigelegt. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die farbenfrohe Bemalung der Krieger an der Luft schnell verlorengeht und bisher keine Methode gefunden wurde, die Bemalung an der Luft zu konservieren, sind die weiteren Ausgrabungen eingestellt wurden. Nun wird daran geforscht, die Farberhaltung zu gewährleisten. Erst, wenn das gelungen ist, sollen die Ausgrabungen weitergehen. Gerne hätten wir mehr Zeit in dieser einmaligen Kulturstätte verbracht, doch die Zeit drängte, auf unserem ehrgeizigen touristischen Programm stand ja noch die Altstadt von Xian.

Blick über Xian

Blick über Xian

Xian, im 6. Jahrhundert n. Chr. gegründet, war einst die mit etwa 1 Mio. Einwohnern vielleicht größte Stadt der damaligen Welt und ein wichtiger Handelsknotenpunkt an der Seidenstraße. Die Altstadt ist noch heute von einer festungsartigen 12 m hohen, circa 10 m breiten und 13 km langen imposanten Mauer umgeben.

Man kann sich auf der Mauer Fahrräder leihen und eine Rundfahrt machen und hat von oben eine tolle Sicht. Am Abend dann der Weiterflug nach Nanjing, zum Internationalen Forum für Biodiversitäts-Monitoring.

Auf der alten Stadtmauer von Xian

Auf der alten Stadtmauer von Xian

Exkursion zum Xiaolongshan Mountain in der Gansu Province

Dienstag, Juni 22nd, 2010
Ab jetzt gehts zu Fuß weiter...

Ab jetzt gehts zu Fuß weiter...

Die erste große Exkursion führte uns am Morgen des 18.Juni zum Xiaolongshan Mountain in den Quinling Mountains. Die Quinling Mountains sind ein Bergmassiv, das sich mit 800 km Länge und 400 km Breite im Süden der Shaanxi Provinz erstreckt. Mit einer Höhe von bis zu 3767 m fungiert es als natürliche Grenze zwischen dem Norden und Süden des Landes und ist mit weltweit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten eine wahre Schatzkammer der Biodiversität. Das Areal beheimatet mehr als 3000 bis jetzt dokumentierte Pflanzenarten, darunter auch den Ginkgobaum. Neben der fünftgrößten Panda-Population bietet das Gebiet auch eine erstaunliche Vielfalt an Faltern.

2 Bläulinge machen es sich gemütlich

2 Bläulinge machen es sich gemütlich

Ziel war es, zwei der Tagfalter-Monitoring Transektstrecken von Dr. Xiushan Li kennenzulernen. Circa 80 Arten hat Dr. Li dort in den vergangenen Jahren regelmäßig gezählt und wir durften einen Teil der dortigen Schmetterlingsvielfalt bei schönstem Sommerwetter in Augenschein nehmen. Audiobeitrag 1.Exkursion

Die Teilnehmer begutachten einen Fund

Die Teilnehmer begutachten einen Fund

Bläulinge oder Eisvögel in einer Häufigkeit, wie sie in Deutschland selten anzutreffen sind, aber auch viele Arten, welche die meisten von uns vorher noch nicht gesehen hatten, da sie bei uns in Deutschland oder Europa nicht vorkommen. Zum Beispiel verschiedene Edelfalter-Arten der Gattung Neptis oder schwarz gefärbte Schwalbenschwanz-Verwandte. Besonders beeindruckend war für einige von uns das Massenvorkommen von Baumweißlingen (Aporia spec.). Schon die Fahrt von der letzten Ortschaft tiefer in die Berge hinein war begleitet von den im Flug manchmal schwerfällig anmutenden Faltern der Baumweißlinge, dass wir es auf unseren Sitzen im Bus kaum mehr aushalten wollten. Endlich stoppte der Bus, es konnte zu Fuß weitergehen und die Falter aus nächster Nähe betrachtet werden. Der Weg führte uns die meiste Zeit entlang eines kleinen Baches am Beginn seiner langen Reise zum Gelben Fluss, an dessen nassen Ufern sich tausende Schmetterlinge niedergelassen hatten, um mit ihren Saugrüsseln etwas Feuchtigkeit aus dem sandigen Boden zu ziehen. Ununterbrochen gesellten sich neue Falter hinzu oder verließen andere die Ansammlungen, wovon es entlang des Baches oder an kleinen Pfützen am Weg so einige gab. Für uns Deutsche war das v.a. deshalb so faszinierend, weil der Baumweißling (Aporia crataegi), der in ganz Eurasien heimisch ist, in Deutschland nur noch selten anzutreffen ist. Konnten noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch bei uns regelmäßig ähnliche Ansammlungen an feuchten Stellen beobachtet werden, so ist die Art heute relativ selten anzutreffen. Dieser Schwund kann vielleicht mit den erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen der Raupen des Falters in Zusammenhang gebracht werden, die damals durchgeführt wurden, um Obstbaumplantagen vor einen Raupenbefall zu schützen. Die Larven der Baumweißlinge ernähren sich hauptsächlich von den Blättern verholzter Rosengewächse (Weißdorn, Schlehe, Obstbäume wie Pflaume oder Kirsche), weshalb sie bei starkem Auftreten der Art zu einem Problem für den Obstanbau werden konnten. Fraßschädlinge aus solch Plantagen herauszuhalten schien damals durchaus sinnvoll zu sein, während heute der zunehmende Verlust von Ackerrandstrukturen wie wegsäumende Hecken oder Streuobstwiesen in unserer heutigen Agrarlandschaft der Art das Überleben schwer macht. Auch das zunehmende Fehlen von ungeteerten Feld- und Waldwegen ließ die Anzahl geeigneter Saugstellen – speziell Wasserpfützen in kleinen Schlaglöchern – zurückgehen.Video Massenansammlung von Baumweißlingen

Massenansammlungen von Aporia crataegi und Aporia largeteaui

Massenansammlungen von Aporia crataegi und Aporia largeteaui

Tief beeindruckt von der Artenvielfalt und Anzahl der beobachteten Schmetterlinge machten wir uns mit dem Einbruch der Dunkelheit auf den Rückweg.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel erwartete uns aber noch eine handfeste Überraschung.  Während besonders die männlichen Exkusionsteilnehmer über den Verlauf der gerade in Südafrika stattfindenden Fussball Weltmeisterschaft mutmaßten,  bot sich uns in der Stadt Baoji plötzlich ein einzigartiger Anblick. Eine überdimensionale Videoleinwand, Liveübertragung der Partie Deutschland-Serbien und Volksfeststimmung mitten in China!

Public Viewing - mitten in China

Public Viewing - mitten in China

Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos. Es war ein einmaliges Erlebnis, wie die chinesischen Fans bei jeder Aktion der deutschen Spieler mitfieberten, ja richtig, die Sympathien lagen eindeutig auf der Seite der deutschen Mannschaft. Leider hatte die serbische Mannschaft etwas gegen einen Sieg der deutschen Mannschaft und so blieb ein kleiner Wermutstropfen bei diesem tollen Erlebnis. Mit dem Bewusstsein, eine neue Facette der chinesischen Bevölkerung kennengelernt zu haben, kamen wir gegen Mitternacht im Hotel an. Audiobeitrag Fußball in Baoji

Mitfiebern

Mitfiebern

International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring in Yangling

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Am 17. Juni fand das “International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring” an der Northwest A&F University in Yangling statt. Prof.Dr. Yalin Zhang und PD Dr. Josef Settele eröffneten am Morgen des 17. Juni das Forum. Bei der Eröffnungszeremonie wurde der vor wenigen Wochen erschienene  Atlas of Biodiversity Risk übergeben und durch Josef Settele vorgestellt. Ein Highlight der Eröffnungszeremonie war die Würdigung des Engagements von Dr. Xiushan Li für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Ihm zu Ehren wurde die im Rahmen von LepiPub im Süden von China  entdeckte neue Ameisenbläulingsart Phengaris xiushani benannt, was mit „Xiushan’s Ameisenbläuling“ übersetzt werden kann. Da die Übersetzung von Xiushan “Schöner Berg” bedeutet und der Schmetterling in den Bergen vorkommt, passt dieser Name in doppelter Hinsicht. Sie ist die erste bekannte Art aus der Gruppe der Ameisenbläulinge, die in Bergwäldern vorkommt. Im ersten Vortrag „From Biodiversity Monitoring to Risk Assessment – the newly published Atlas of Biodiversity Risk“ ging Josef Settele näher auf Inhalte und Ansätze des Atlas ein.

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Der Atlas kombiniert die Hauptergebnisse des großen EU-Forschungsprojektes ALARM (68 Partner aus 35 Ländern in Europa und Übersee) mit einigen Kernergebnissen aus zahlreichen anderen Forschungsnetzwerken. Insgesamt haben 366 Autoren aus über 180 Institutionen in 43 Ländern zu dem 280 Seiten starken Atlas beigetragen. Er ist der erste seiner Art, der die Hauptfaktoren zusammenfasst, die zum Verlust der Artenvielfalt auf europäischer und globaler Ebene führen. Die Hauptrisiken sind der globale Klima- und Landnutzungswandel und die Umweltverschmutzung. Besonders relevant ist dabei der Verlust an Bestäubern und der Einfluss biologischer Invasionen, die gesondert hervorgehoben werden. Die Auswirkungen und Konsequenzen des Biodiversitätsverlustes werden in dem Werk mit einem starken Fokus auf sozioökonomische Faktoren und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschrieben. “Uns sollte klar sein, dass nicht eine einzelne politische Maßnahme die Artenvielfalt retten wird, sondern dass eine systematische Überprüfung aller Politikfelder notwendig ist, die die Biodiversität betreffen”, betont Josef Settele als Leiter des Herausgeberteams des Atlas. “Forschungsergebnisse sollten daher genutzt werden, um Programme kontinuierlich zu aktualisieren und Politiken nachhaltig weiter zu entwickeln.

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Nachdem Elisabeth Kühn das deutsche Monitoringsystem vorgestellt hatte, gab Dr. Mark Frenzel einen Überblick über TERENO. TERENO steht für „Terrestrial Environmental Observatories“. Die Initiative der Helmholtz-Gemeinschaft, zielt auf die Schaffung einer Beobachtungsplattform, die verschiedene terrestrische Observatorien in unterschiedlichen Regionen verbindet. 2008 wurden 3 Observatorien errichtet. Die Errichtung eines vierten Observatoriums ist in der Diskussion. Diese Observatorien liefern kontinuierlich räumlich und zeitlich erfasste Daten, die helfen, die Abweichungen von aktuellen Modellen zu erkennen. Die Kernpunkte sind dabei

* Beobachtung und Studium des Langzeiteinflusses des globalen Klimawandels, von Landnutzungsänderungen, sozio-ökonomischen Entwicklungen und menschlichen Eingriffen auf die terrestrischen Ökosysteme

* Bereitstellung von multi-skaligen und multi-temporalen Langzeitbeobachtungen von Umweltdaten

* Multi-skalige Analyse der Interaktionen und Reaktionen zwischen den Umweltkompartimenten Boden, Vegetation und Atmosphäre

* Entwicklung neuer Modellkonzepte und Scaling-Methoden für die Evaluierung effektiver Parameter, Flüsse und Zustandsgrößen für unterschiedliche Skalen

* Schließung der Skalen-Diskrepanz zwischen Messung, Modell und Management

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Rongjiang Wang von der Universität Peking stellte den Inhalt seiner Forschung zum Thema Habitatauswahl und Partnerwahlstrategien bei Melitaea cinxia, dem Wegerich-Scheckenfalter im Tianshan Gebirge vor. Nach einem Beitrag von Dr. David Roy Audiobeitrag Dr. David Roy zum Schmetterlingsmonitoring in Europa ging Dr. Xiushan Li auf den Einfluss von Habitatveränderungen und Klimatischer Erwärmung auf die Biodiversität und Schmetterlingen in ihrer Rolle als Indikator ein.

Weitere Beiträge von Sylvia Ritter zu Kryptischer Artbildung, Dr. Oliver Schweiger mit einem Beitrag zu Global Change und sich verändernden Interaktionen zwischen Arten und Dr. Reinart Feldmann mit einem Überblick über das Vogelmonitoring beschlossen den ersten Präsentationstag. Beim abendlichen Dinner stimmten sich die Teilnehmer auf den ersten Expeditionstag ein.

Abendliches Dinner

Abendliches Dinner

Der 2. Workshoptag – Impressionen

Donnerstag, Dezember 17th, 2009
Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Nach der sehr interessanten und für die Stimmung und die gegenseitige Begegnung sehr förderlichen Exkursion war nun für den 16. Dezember der nächste Workshop-Tag angesagt. Als erste trug Frau Li-Jun Fang über die Artenvielfalt und Taxonomie der Edelfalter (Nymphalidae) Chinas vor. Während global etwa 6500 Arten aus dieser Gruppe bekannt sind, kommen gut 10% davon in China vor. Der Anteil der nur in China auftretenden (der also für China „endemischen“) Arten beträgt etwa 6%. Dies zeigte zum wiederholten Male die herausragende Bedeutung China’s für die globale Artenvielfalt. Wesentlicher Inhalt des Vortrages wie der darauf folgenden Diskussion war die biogeografische Analyse der Arten, wobei dazu angeregt wurde, molekulare und morphologische Charakteristika zur Erstellung der Phylogenie in Zukunft noch stärker zu verbinden. Im Anschluss berichtete Shan-yi Zhou in einem sehr engagierten Beitrag über die Erforschung der Biologie eines Tagfalters von nationaler Naturschutzrelevanz für China.

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Die Art Teinopalpus aureus ist in der gleichen Kategorie eingeordnet wie der Panda-Bär, was zur Orientierung bezüglich der Schutzwürdigkeit sehr hilfreich ist! Herr Zhou stellte seine Konstruktionen vor, mit deren Hilfe es gelungen ist, im Kronendach der Wälder – dem Lebensraum dieser Art – diese Forschung durchzuführen. Erstmals wurden sehr ansprechende quantitative Daten zu den einzelnen Entwicklungsstadien zusammengetragen und das Verhalten näher beobachtet. Die Diskussion drehte sich dann vor allem um den Gefährdungsstatus des Tieres und die rechtlichen Konsequenzen. Für das illegale Einfangen erwarten den Übeltäter mehrere Jahre Gefängnis, was schlüssig ist bei Schwarzmarktpreisen von bis zu 20.000 Dollar für ein gut erhaltenes Paar dieser schönen Falter. Zhao-hui Li sprach über die Vielfalt der Tagfalter in der Jiangsu Province, wo diese vor allem als Indikatoren für die Umweltqualität in Grasländern und Wäldern betrachtet werden. Beeindruckend waren die Informationen über die sogenannte “Luehdorfia Action”, bei der der für China endemische Ritterfalter Luehdorfia chinensis in den Zijin Mountains geschützt wird und er auch als Symbol für breit angelegte Umweltschutzmaßnahmen dient, bei denen als öffentliche „Ertüchtigung“ dieser Berg regelmäßig durch Freiwillige von Unrat befreit wird. Des Weiteren wurde die Biologie einiger ausgewählter Arten vorgestellt und als zukünftige Forschungsschwerpunkte neben derer weiterer Erforschung die

Dialog während der Pause

Dialog während der Pause

Verhaltensökologie speziell ein Tagfalter-Monitoring herausgestellt. Herr Li bekräftigte auch nochmals die Einladung für den nächsten LepiPub Workshop 2010 an die Nanjing Universität, die er im Rahmen dieses Workshops vertreten hat. Nach der Mittagspause wurde als kleiner Exkurs in die Welt der Laufkäfer von Herrn Lei Gao die Arten der Gattung Carabus im Nanling Natur-Reservat vorgestellt. Es wurden Analysen der Artenzusammensetzung entlang verschiedener Umwelt- und Höhengradienten präsentiert. Beeindruckend waren vor Allem auch die Bilder eines Kälteeinbruchs Anfang 2008, der große Waldbestände durch Eisbruch vernichtete. In Fortsetzung der Veranstaltung lieferte Oliver Schweiger eine Gesamtübersicht über die Arbeiten des UFZ zum Thema Tagfalter und Klimawandel. Nach der Vorstellung des Klimaatlas der Tagfalter Europas wurden neue Analysen auf Basis der Kombination mehrerer Arten und deren Abhängigkeit von den Raupennahrungspflanzen, sowie der kombinierten Effekte von klimatischer Veränderung auf Pflanzen und Falter präsentiert. Hier schloss sich eine lebhafte Diskussion zu Fragen des methodischen Vorgehens aber auch zum Klimawandel insgesamt an, die auch in der Kaffeepause weitergeführt wurde. Doch bevor die Kaffeepause eröffnet wurde, durften die Workshop-Teilnehmer noch die zahlreiche faszinierenden Fotos von Xichang Chen bewundern, der in der Stadt Guangzhou als Lehrer im „Palast der Kinder“ tätig ist und herrliche Studien zu Tagfaltern der weiteren Umgebung und deren Lebensweisen durchführt. Als vorletzter Redner des Tages präsentierte Markus Franzén Studien zur lokalen Populationsdynamik

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

verschiedener Bestäubergruppen, also von Tagfaltern, Bienen/Hummeln und Schwebfliegen. Am Beispiel schwedischer Studien konnte gezeigt werden, wie interessant eine kontinuierliche Beobachtung mit längerjährigen Messreihen sein kann und wie dynamisch die uns umgebende Natur mitunter agiert. Als Nebeneffekt wurde den Zuhörern auch ein gewisser Einblick über die Geografie und naturräumliche Ausstattung Schwedens vermittelt, das als gesamtes Land nur etwa 2/3 der Einwohnerzahl der Stadt Guangzhou aufweist. Abschließend stellte Xiushan Li seine für China ziemlich einmaligen Forschungen zur Populationsbiologie gefährdeter asiatischer Schwalbenschwanz-Arten am Beispiel von Sericinus montelus vor. In aufwändigen mehrjährigen Untersuchungen war es ihm gelungen, einige Grundvoraussetzungen zum Schutz bestimmter Arten aber auch ganzer Artengemeinschaften herauszuarbeiten und entsprechende Empfehlungen für den Schutz der Falter abzuleiten. In der Diskussion  wurden erdgeschichtlich wie landnutzungsabhängige Faktoren, die sich auf die Fauna ausgewirkt haben dürften, eingehender diskutiert. Abgerundet wurde der wiederum sehr produktive Tag durch eine Bootsfahrt mit Abendessen auf dem Perlfluß vor der Skyline der 13 Millionen-Stadt Guangzhou.

Guangzhou bei Nacht

Guangzhou bei Nacht

Schutz der Biodiversität: 2. Deutsch-Chinesischer Workshop zur Zukunft von Schmetterlingen

Dienstag, Dezember 15th, 2009

Nach Ankunft der deutschen und chinesischen Delegationen am 12. Dezember 2009 in Guangzhou (Kanton) in Süd-China, fand am 13. Dezember 2009 der erste Workshop-Tag im Gästehaus der South China Agricultural University (SCAU) statt, der sich in einer schönen Grünlage befand. Es wurden zur Umrahmung die Bilder des neuen Tagfalter-Kalenders 2010 ästhetisch ansprechend im Garten aufgestellt. Die Moderation des Tages lag bei Prof. Dr. Min Wang, der von Seiten der SCAU auch die Vorbereitungen des Treffens in enger Kooperation mit Dr. Xiushan Li koordinierte.

Der Veranstaltungsort des 2. LepiPub Workshops

Der Veranstaltungsort des 2. LepiPub Workshops

Im Rahmen der Eröffnungszeremonie wurden 5 Grußworte gesprochen von:

  • Prof. Dr. Xinnian Zeng und Prof. Dr. Guangwen Liang von der (SCAU) im Namen des „College of Natural Resources and Environment“ bzw. der „State Key Discipline of Agricultural Entomology and Pest Control & Guandong Entomological Society“
  • PD Dr. Josef Settele im Namen des UFZ und im Namen von „Butterfly Conservation Europe“
  • Dr. Xiushan Li als ehemaligem Gastwissenschaftler des UFZ als Koordinator des Forums auf chinesischer Seite
  • Prof. Dr. Yalin Zhang im Namen der „Chinese Butterfly Society“

Nach dem darauffolgenden Termin für ein Gruppenfoto (Audiobeitrag “Aufstellen zum Gruppenfoto”) begann das fachliche Programm mit einer Vorstellung des ALARM-Projektes durch Josef Settele, wobei ein spezieller Fokus auf die internationale Kooperation im Rahmen größerer Projekte und insbesondere deren Vorteile gerichtet wurde. Besonders wurde auch auf neue Initiativen eingegangen, die derzeit aus ALARM heraus entstehen und besonders den asiatischen Raum mit umfassen. (Audiobeitrag “Begrüßungen und Vorträge”) Letzteres im Kontext der aktuellen Fragen der Dienstleistungen von Ökosystemen und Biodiversität für den Menschen in Reis- und Weizen-dominierten Landnutzungssystemen.

Die Teilnehmer des 2. LepiPub Workshops

Die Teilnehmer des 2. LepiPub Workshops

Die ersten Präsentationen der Workshops

Die ersten Präsentationen der Workshops

Reinart Feldmann berichtete anschließend über das Tagfalter-Monitoring Deutschland. Besonders ging er auf die Rolle von ehrenamtlichen Mitarbeitern für solche Vorhaben ein, was in darauf folgenden Diskussionen von verschiedenen Seiten thematisiert wurde – und was für eine Übertragung der Monitoring-Idee nach China als kritischer Punkt betrachtet wird, den es phantasievoll anzugehen gilt. Nach der kulinarisch sehr ansprechenden Mittagspause berichtete James Young aus Hongkong über seine langjährigen Erfahrungen bei der Erforschung der Biologie der Tagfalter Südost-Asiens. Ihm gelang es im Laufe einiger Jahre die Biologie von etwa 400 Tagfalter-Arten aufzuklären, über die das Wissen zuvor nur sehr begrenzt war. Dies verwirklichte er durch konsequente Suche von Eiern oder Raupen im Freiland, die er dann im Labor zum erwachsenen Falter durchziehen konnte. Der dadurch gewonnene Erkenntniszuwachs macht viele Arbeiten und Bemühungen zum Schutz von Schmetterlingen erst möglich, da dadurch einige der Grundansprüche der Tiere an ihre Umwelt bekannt wurden, die es langfristig zu sichern gilt. Mit James Young wurde eine weitere engere Zusammenarbeit angebahnt, um die Erfolgschancen der Bemühungen zum Schutz der Schmetterlinge Chinas gravierend zu verbessern.

Entspanntes gemeinsames Mittagessen

Entspanntes gemeinsames Mittagessen

Inhalt des darauf folgenden Beitrages von Sylvia Ritter und Josef Settele war eine Übersicht über den Stand des Wissens bei der Erforschung der Ameisenbläulinge. Es wurden Aspekte der Biologie, Ökologie, Verbreitung, Evolutionsbiologie und des Schutzes dieser in Europa gesetzlich geschützten Tiere vorgestellt. Auch wurde deutlich, dass ein solches Niveau an Wissen zu bestimmten Arten auch für die mittelfristige Zukunft wohl die Ausnahme bleiben wird, da die für die sehr fundierte Erforschung nötigen Mittel in aller Regel von nationalen wie internationalen Organisationen und Einrichtungen sehr selten bereit gestellt werden. Als weiterer Schritt für die engere Kooperation zwischen Europa und China wird eine genauere Analyse der Verbreitung und ökologischen Verhältnissen der Ameisenbläulinge und ihrer nächsten Verwandten in einigen Regionen Chinas als zielführend empfunden. Eine engere Kooperation könnte sich unter anderem mit Prof. Dr. Min Wang von der SCAU anbahnen. Nach der Kaffeepause schloss sich der Beitrag von Matthias Nuss vom Museum für Tierkunde in Dresden an.

Dr. Matthias Nuss im Gespräch mit den chinesischen Kollegen

Dr. Matthias Nuss im Gespräch mit den chinesischen Kollegen

Er referierte über den Stand der Forschung bei der großen Familie der Zünsler-Falter und über deren Diversität und Biogeografie in China. Es wurden sehr schön die Lücken bei der systematisch-taxonomischen wie auch ökologischen Forschung aufgezeigt. Möglichkeiten engerer zukünftiger Kooperation wurden konkretisiert – beispielsweise bei der Erforschung des aus China nach Europa verschleppten Buchsbaum-Zünslers, der in vielen europäischen Parkanlagen große Schäden an den oft kunstvoll geschnittenen Buchsbaum-Beständen hervorruft. Wären mehr Informationen zur

Kaffeepause im Garten des Gästehauses

Kaffeepause im Garten des Gästehauses

Verbreitung der Art in China bekannt, könnte man wesentlich besser abschätzen, wo die Grenzen der ökologischen Nische dieser Art liegen. Dies könnte helfen das zukünftige Ausbreitungspotential in Europa besser abzuschätzen und Bekämpfungsmaßnahmen darauf abzustimmen. Zum Abschluss des Tages wurden die Teilnehmer von Ganqing Chen auf die Exkursion an den beiden Folgetagen vorbereitet. Herr Chen zeigte Bilder der Schmetterlinge der Insel Hebao, die wir am 14. und 15. Dezember besichtigen werden und wobei einige wesentliche Erkenntnisse zum Bestand und zum Schutz der dortigen Falterfauna anschaulich gemacht werden sollen – was dem Referenten durch exzellente Bilder in vollem Umfange gelungen ist. Der Tag war ein gelungener und viel versprechender Auftakt des 2. Workshops – es ist den Organisatoren aufs Herzlichste zu gratulieren und ein uneingeschränkter Dank auszusprechen für den ansprechenden Rahmen dieser inspirierenden Veranstaltung.

Medien-Echo – Resonanz auf den 1. “LepiPub”Workshop

Freitag, September 18th, 2009
Die Exkursion fand unter großem Medieninteresse statt
Der Workshop fand unter großem Medieninteresse statt

Der 1. LepiPub Workshop in Leipzig wurde durch reges Medieninteresse begleitet. Unter der Rubrik Medienecho, wollen wir Ihnen eine Auswahl von Links zu Beiträgen um und über den 1. Workshop bereitstellen.

Polygonia c-aureum (Hunhong Li)
Polygonia c-aureum (Hunhong Li)

Medienresonanz

Deutsch-Chinesischer Workshops zur Zukunft von Schmetterlingen

(Stand: 18.08.09)

Chinesische Schmetterlingsexperten besuchen Altenburg

MDR-Fernsehen – 11.08.09

http://www.mdr.de/hier-ab-vier/

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Chinesen suchen Schmetterlinge in Sachsen. Binationales Projekt zum Schutz der Falter

Deutschlandfunk (Umwelt und Verbraucher) – 12.08.09 12:35

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1015544/

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/08/12/dlf_20090812_1146_788e9d78.mp3

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