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Archive for the ‘Arten’ Category

Besuch des Dafeng Naturreservats

Donnerstag, Juli 8th, 2010
Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Begrüßung im Dafeng Naturreservat

Am Morgen des 23.Juni verließen wir den Tagungsort in Nanjing und machten uns auf den Weg zum Dafeng Naturreservat. Zum wiederholten Male bekamen wir die äußerst beeindruckenden Dimensionen Chinas vor Augen geführt. Die auf der Karte noch durchaus komfortabel anmutende Entfernung nach Dafeng, entpuppte sich als 5 stündiger „Katzensprung“. So langsam gewöhnten wir uns jedoch inzwischen an chinesische Entfernungen. Die Region um Dafeng mit einer ausgeprägten 112 km langen Küstenregion war eines der Hauptzentren der Salzproduktion in China und ist inzwischen bekannt für die zahlreichen Nationalparks, insbesondere des größten Nationalparks für den in freier Wildbahn ausgestorbenen Davidshirsch (auch Milu genannt). Im Rückraum des Küstenstreifens befinden sich über 800000 ha an Feuchtgebieten mit einem enormen Artenreichtum an verschiedensten Insekten, Fischen, Säugern und Millionen an Zugvögeln.

Eine Herde Milos

Eine Herde Milos

Das Yancheng Dafeng Milu National Nature Reserve wurde speziell gestaltet um den in ursprünglich in China ausgestorbenen Davids Hirschen eine neue Heimat zu geben. Neben den Hirschen beheimatet das Reservat verschiedene gefährdete Tier und Pflanzenarten, vor Allem seltene Kraniche, Insekten und Fische.

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Das Reservat beheimatet auch seltene Vogelarten

Der Davidshirsch oder Milu (Elaphurus davidianus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Hirsche  (Cervidae). Ursprünglich im östlichen Asien beheimatet, ist er in freier Wildbahn seit mehreren hundert Jahren ausgerottet und konnte nur durch Haltung in einem kaiserlichen Park von Peking und später in europäischen Wildgehegen überleben. Die ursprüngliche Verbreitung des Davidshirsches war lange Zeit unbekannt. Jüngere Fossilfunde zeigen, dass er im Pleistozän  noch nahezu in ganz China, sowie in Korea und Japan vorkam. Als vermeintliches Aussterbedatum des Davidshirsches in freier Wildbahn findet man immer wieder das Jahr 200 n. Chr. Wie auch immer die Überlieferung dieses Datums zustande gekommen ist, heute gilt als gesichert, dass Davidshirsche sehr viel länger überlebten.

Davids Hirsch beim abkühlen

Davidshirsch beim abkühlen

Nach Angaben des chinesischen Forschers Xia Jingshi lebten die letzten Herden wohl während der Ming-Dynastie, und die verbliebenen Einzelhirsche wurden im 17. oder vielleicht auch im 18. Jahrhundert getötet. Unbestätigten Berichten zufolge wurden noch im 19. Jahrhundert auf der Insel Hainan zwei Felle gefunden. Nachdem das Aussterben in China bekannt geworden war, entschieden sich alle Zoos, die Davidshirsche hielten, ihre Tiere in die Obhut des Herzogs von Bedford (England) zu geben, der verschiedenste exotische Hirscharten in seinen Gärten bei Woburn Abbey nördlich von London hielt und erfolgreich züchtete. 18 Exemplare stellten den weltweiten Restbestand dar. Hiervon waren ein Hirsch und fünf Hirschkühe noch fortpflanzungsfähig. Die kleine Herde, für die ein Internationales Zuchtbuch eingerichtet wurde, war ausgesprochen fruchtbar. Sie umfasste 1914 bereits neunzig Tiere und war 1946 auf dreihundert Hirsche angewachsen. Kleine Zuchtgruppen wurden auf verschiedene Zoos verteilt und züchteten überall erfolgreich. 1956 erhielt der Zoo von Peking fünf Davidshirsche.

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Umfangreiche Schmetterlingssammlung im Reservat

Erst 1985 wurden 39 Davidshirsche in ihrer ursprünglichen Heimat in das Dafeng Milu Naturreservat ausgewildert. Heute gibt es ausgewilderte Davidshirsche auch im Beijing Milu Park bei Peking. 2005 bestand die Weltherde aus 1.300 Exemplaren, von denen rund 1.000 in China leben. Daraufhin wurde das Zuchtbuch eingestellt. Die IUCN listet den Davidshirsch als in freier Wildbahn ausgestorben (extinct in the wild). Am Abend verließen wir das Reservat in Richtung Yangzhou, unserem nächsten Reiseziel.

Fragen nach dem Weg...

Fragen nach dem Weg...

International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring in Yangling

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Am 17. Juni fand das “International Forum on Butterfly Biodiversity Monitoring” an der Northwest A&F University in Yangling statt. Prof.Dr. Yalin Zhang und PD Dr. Josef Settele eröffneten am Morgen des 17. Juni das Forum. Bei der Eröffnungszeremonie wurde der vor wenigen Wochen erschienene  Atlas of Biodiversity Risk übergeben und durch Josef Settele vorgestellt. Ein Highlight der Eröffnungszeremonie war die Würdigung des Engagements von Dr. Xiushan Li für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Ihm zu Ehren wurde die im Rahmen von LepiPub im Süden von China  entdeckte neue Ameisenbläulingsart Phengaris xiushani benannt, was mit „Xiushan’s Ameisenbläuling“ übersetzt werden kann. Da die Übersetzung von Xiushan “Schöner Berg” bedeutet und der Schmetterling in den Bergen vorkommt, passt dieser Name in doppelter Hinsicht. Sie ist die erste bekannte Art aus der Gruppe der Ameisenbläulinge, die in Bergwäldern vorkommt. Im ersten Vortrag „From Biodiversity Monitoring to Risk Assessment – the newly published Atlas of Biodiversity Risk“ ging Josef Settele näher auf Inhalte und Ansätze des Atlas ein.

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Überreichung des Atlas of Biodiversity Risk

Der Atlas kombiniert die Hauptergebnisse des großen EU-Forschungsprojektes ALARM (68 Partner aus 35 Ländern in Europa und Übersee) mit einigen Kernergebnissen aus zahlreichen anderen Forschungsnetzwerken. Insgesamt haben 366 Autoren aus über 180 Institutionen in 43 Ländern zu dem 280 Seiten starken Atlas beigetragen. Er ist der erste seiner Art, der die Hauptfaktoren zusammenfasst, die zum Verlust der Artenvielfalt auf europäischer und globaler Ebene führen. Die Hauptrisiken sind der globale Klima- und Landnutzungswandel und die Umweltverschmutzung. Besonders relevant ist dabei der Verlust an Bestäubern und der Einfluss biologischer Invasionen, die gesondert hervorgehoben werden. Die Auswirkungen und Konsequenzen des Biodiversitätsverlustes werden in dem Werk mit einem starken Fokus auf sozioökonomische Faktoren und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschrieben. “Uns sollte klar sein, dass nicht eine einzelne politische Maßnahme die Artenvielfalt retten wird, sondern dass eine systematische Überprüfung aller Politikfelder notwendig ist, die die Biodiversität betreffen”, betont Josef Settele als Leiter des Herausgeberteams des Atlas. “Forschungsergebnisse sollten daher genutzt werden, um Programme kontinuierlich zu aktualisieren und Politiken nachhaltig weiter zu entwickeln.

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Beitrag zu Kryptischen Artbildung

Nachdem Elisabeth Kühn das deutsche Monitoringsystem vorgestellt hatte, gab Dr. Mark Frenzel einen Überblick über TERENO. TERENO steht für „Terrestrial Environmental Observatories“. Die Initiative der Helmholtz-Gemeinschaft, zielt auf die Schaffung einer Beobachtungsplattform, die verschiedene terrestrische Observatorien in unterschiedlichen Regionen verbindet. 2008 wurden 3 Observatorien errichtet. Die Errichtung eines vierten Observatoriums ist in der Diskussion. Diese Observatorien liefern kontinuierlich räumlich und zeitlich erfasste Daten, die helfen, die Abweichungen von aktuellen Modellen zu erkennen. Die Kernpunkte sind dabei

* Beobachtung und Studium des Langzeiteinflusses des globalen Klimawandels, von Landnutzungsänderungen, sozio-ökonomischen Entwicklungen und menschlichen Eingriffen auf die terrestrischen Ökosysteme

* Bereitstellung von multi-skaligen und multi-temporalen Langzeitbeobachtungen von Umweltdaten

* Multi-skalige Analyse der Interaktionen und Reaktionen zwischen den Umweltkompartimenten Boden, Vegetation und Atmosphäre

* Entwicklung neuer Modellkonzepte und Scaling-Methoden für die Evaluierung effektiver Parameter, Flüsse und Zustandsgrößen für unterschiedliche Skalen

* Schließung der Skalen-Diskrepanz zwischen Messung, Modell und Management

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Dr. Rongjiang Wang bei seiner Präsentation

Rongjiang Wang von der Universität Peking stellte den Inhalt seiner Forschung zum Thema Habitatauswahl und Partnerwahlstrategien bei Melitaea cinxia, dem Wegerich-Scheckenfalter im Tianshan Gebirge vor. Nach einem Beitrag von Dr. David Roy Audiobeitrag Dr. David Roy zum Schmetterlingsmonitoring in Europa ging Dr. Xiushan Li auf den Einfluss von Habitatveränderungen und Klimatischer Erwärmung auf die Biodiversität und Schmetterlingen in ihrer Rolle als Indikator ein.

Weitere Beiträge von Sylvia Ritter zu Kryptischer Artbildung, Dr. Oliver Schweiger mit einem Beitrag zu Global Change und sich verändernden Interaktionen zwischen Arten und Dr. Reinart Feldmann mit einem Überblick über das Vogelmonitoring beschlossen den ersten Präsentationstag. Beim abendlichen Dinner stimmten sich die Teilnehmer auf den ersten Expeditionstag ein.

Abendliches Dinner

Abendliches Dinner

Der 2. Workshoptag – Impressionen

Donnerstag, Dezember 17th, 2009
Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Nach der sehr interessanten und für die Stimmung und die gegenseitige Begegnung sehr förderlichen Exkursion war nun für den 16. Dezember der nächste Workshop-Tag angesagt. Als erste trug Frau Li-Jun Fang über die Artenvielfalt und Taxonomie der Edelfalter (Nymphalidae) Chinas vor. Während global etwa 6500 Arten aus dieser Gruppe bekannt sind, kommen gut 10% davon in China vor. Der Anteil der nur in China auftretenden (der also für China „endemischen“) Arten beträgt etwa 6%. Dies zeigte zum wiederholten Male die herausragende Bedeutung China’s für die globale Artenvielfalt. Wesentlicher Inhalt des Vortrages wie der darauf folgenden Diskussion war die biogeografische Analyse der Arten, wobei dazu angeregt wurde, molekulare und morphologische Charakteristika zur Erstellung der Phylogenie in Zukunft noch stärker zu verbinden. Im Anschluss berichtete Shan-yi Zhou in einem sehr engagierten Beitrag über die Erforschung der Biologie eines Tagfalters von nationaler Naturschutzrelevanz für China.

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Die Art Teinopalpus aureus ist in der gleichen Kategorie eingeordnet wie der Panda-Bär, was zur Orientierung bezüglich der Schutzwürdigkeit sehr hilfreich ist! Herr Zhou stellte seine Konstruktionen vor, mit deren Hilfe es gelungen ist, im Kronendach der Wälder – dem Lebensraum dieser Art – diese Forschung durchzuführen. Erstmals wurden sehr ansprechende quantitative Daten zu den einzelnen Entwicklungsstadien zusammengetragen und das Verhalten näher beobachtet. Die Diskussion drehte sich dann vor allem um den Gefährdungsstatus des Tieres und die rechtlichen Konsequenzen. Für das illegale Einfangen erwarten den Übeltäter mehrere Jahre Gefängnis, was schlüssig ist bei Schwarzmarktpreisen von bis zu 20.000 Dollar für ein gut erhaltenes Paar dieser schönen Falter. Zhao-hui Li sprach über die Vielfalt der Tagfalter in der Jiangsu Province, wo diese vor allem als Indikatoren für die Umweltqualität in Grasländern und Wäldern betrachtet werden. Beeindruckend waren die Informationen über die sogenannte “Luehdorfia Action”, bei der der für China endemische Ritterfalter Luehdorfia chinensis in den Zijin Mountains geschützt wird und er auch als Symbol für breit angelegte Umweltschutzmaßnahmen dient, bei denen als öffentliche „Ertüchtigung“ dieser Berg regelmäßig durch Freiwillige von Unrat befreit wird. Des Weiteren wurde die Biologie einiger ausgewählter Arten vorgestellt und als zukünftige Forschungsschwerpunkte neben derer weiterer Erforschung die

Dialog während der Pause

Dialog während der Pause

Verhaltensökologie speziell ein Tagfalter-Monitoring herausgestellt. Herr Li bekräftigte auch nochmals die Einladung für den nächsten LepiPub Workshop 2010 an die Nanjing Universität, die er im Rahmen dieses Workshops vertreten hat. Nach der Mittagspause wurde als kleiner Exkurs in die Welt der Laufkäfer von Herrn Lei Gao die Arten der Gattung Carabus im Nanling Natur-Reservat vorgestellt. Es wurden Analysen der Artenzusammensetzung entlang verschiedener Umwelt- und Höhengradienten präsentiert. Beeindruckend waren vor Allem auch die Bilder eines Kälteeinbruchs Anfang 2008, der große Waldbestände durch Eisbruch vernichtete. In Fortsetzung der Veranstaltung lieferte Oliver Schweiger eine Gesamtübersicht über die Arbeiten des UFZ zum Thema Tagfalter und Klimawandel. Nach der Vorstellung des Klimaatlas der Tagfalter Europas wurden neue Analysen auf Basis der Kombination mehrerer Arten und deren Abhängigkeit von den Raupennahrungspflanzen, sowie der kombinierten Effekte von klimatischer Veränderung auf Pflanzen und Falter präsentiert. Hier schloss sich eine lebhafte Diskussion zu Fragen des methodischen Vorgehens aber auch zum Klimawandel insgesamt an, die auch in der Kaffeepause weitergeführt wurde. Doch bevor die Kaffeepause eröffnet wurde, durften die Workshop-Teilnehmer noch die zahlreiche faszinierenden Fotos von Xichang Chen bewundern, der in der Stadt Guangzhou als Lehrer im „Palast der Kinder“ tätig ist und herrliche Studien zu Tagfaltern der weiteren Umgebung und deren Lebensweisen durchführt. Als vorletzter Redner des Tages präsentierte Markus Franzén Studien zur lokalen Populationsdynamik

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

verschiedener Bestäubergruppen, also von Tagfaltern, Bienen/Hummeln und Schwebfliegen. Am Beispiel schwedischer Studien konnte gezeigt werden, wie interessant eine kontinuierliche Beobachtung mit längerjährigen Messreihen sein kann und wie dynamisch die uns umgebende Natur mitunter agiert. Als Nebeneffekt wurde den Zuhörern auch ein gewisser Einblick über die Geografie und naturräumliche Ausstattung Schwedens vermittelt, das als gesamtes Land nur etwa 2/3 der Einwohnerzahl der Stadt Guangzhou aufweist. Abschließend stellte Xiushan Li seine für China ziemlich einmaligen Forschungen zur Populationsbiologie gefährdeter asiatischer Schwalbenschwanz-Arten am Beispiel von Sericinus montelus vor. In aufwändigen mehrjährigen Untersuchungen war es ihm gelungen, einige Grundvoraussetzungen zum Schutz bestimmter Arten aber auch ganzer Artengemeinschaften herauszuarbeiten und entsprechende Empfehlungen für den Schutz der Falter abzuleiten. In der Diskussion  wurden erdgeschichtlich wie landnutzungsabhängige Faktoren, die sich auf die Fauna ausgewirkt haben dürften, eingehender diskutiert. Abgerundet wurde der wiederum sehr produktive Tag durch eine Bootsfahrt mit Abendessen auf dem Perlfluß vor der Skyline der 13 Millionen-Stadt Guangzhou.

Guangzhou bei Nacht

Guangzhou bei Nacht

Die erste Exkursion – Impressionen

Mittwoch, Dezember 16th, 2009
Aufbruch ins Inselinnere

Aufbruch ins Inselinnere

Am Morgen des 14. Dezembers brechen die Workshop-Teilnehmer zur ersten Exkursion auf. Ziel ist die kleine Insel He-Bao, vor Macao, im südchinesischen Meer. Auf der Fahrt kann man einen guten Eindruck vom Bauboom in China gewinnen. Guangzhou ist eine Megacity, in der überall neue Hochhäuser aus dem Boden schießen. Die Straßen werden verbreitert und außerhalb der Siedlungen entstehen neue Industriegebiete. Auf die etwa 13 km2 große Insel He-Bao, deren höchster Berg gut 300 m hoch ist, gelangen die Wissenschaftler mit einem Expressboot. Danach geht es im Kleinbus auf einer gewundenen Straße zum Hotelcamp, vorbei an einer Sekundärvegetation aus Büschen, Lianen und vereinzelten Bäumen. Audiobeitrag “He-Bao Island”

Im Schmetterlingstal auf  He-Bao Island

Im Schmetterlingstal auf He-Bao Island

Das National Science Popularization Training Camp liegt im Süden der Insel. Im Sommer ist dieses Eiland Ziel für Badegäste um zu Schmetterlingsfans. Jetzt im Winter sind die deutsch-chinesischen Wissenschaftler die einzigen Gäste. Am 14. und 15. Dezember liegen die Tagestemperaturen noch über 20°C. Es weht ein starker Wind und die Bergspitzen sind von Wolken verhangen. Nur vereinzelt sieht man ein paar Tagfalter fliegen: Schwalbenschwänze, Bläulinge, Weißlinge und Riodiniden. Im Gras auf den Dünen entdeckt man dann kleine Motten: Zünsler- und Eulenfalter. Doch die Vegetation verrät, dass es hier mehr Schmetterlinge gibt. Blätter zeigen Minengänge, durch die sich die Raupen von Miniermotten fraßen, andere weisen angenagte Blattränder auf und wieder andere sind zu einer Tüte eingerollt, in der einst eine Raupe lebte und nun nur noch die Exkremente verblieben sind. Das Abendessen war ausdauernd und reichlich.

Prof. Dr. Zhao-hui Li und Leiter der Station Ganqing Chen vor dem Begrüßungsbanner zum Workshop

Prof. Dr. Hou-hun Li (rechts) und Leiter der Station Ganqing Chen (links) vor dem Begrüßungsbanner zum Workshop

Prof. Dr. Yalin Zhang im Gespräch mit PD Dr. Josef Settele

Prof. Dr. Yalin Zhang im Gespräch mit PD Dr. Josef Settele

Die chinesischen Studenten nutzten die Zeit, um sich mit ihren Professoren und den europäischen Wissenschaftlern auszutauschen. Dieser Abend wird sehr lang. Karaoke-Singen steht auf dem Plan – eine Abendbeschäftigung, die in China mit großer Leidenschaft zelebriert wird. Für die Forscher Matthias Nuss, Markus Franzén und Josef Settele ist das die Zeit, um sich ins Buschwerk zu schlagen und mit einem „Lichtfang“ Motten anzulocken. Die Wissenschafter wollen wissen, ob in der Nacht mehr Schmetterlinge aktiv sind. Sie bauen einen Leuchtturm auf, einen 2 m hohen Zylinder aus weißer Gaze, in dessen Mitte zwei Leuchtstoffröhren hängen, die ultraviolettes Licht emittieren. Paradoxerweise werden Nachtfalter, die in der

Nachtfalter am Licht

Ein Nachtfalter (Lopharthrum comprimens (Walker)) am Licht

Dunkelheit fliegen, von solchem künstlichen Licht angelockt. Aufgrund des starken Windes auf der Insel müssen sie im Buschwerk Schutz vor dem starken Wind suchen, der den Stoff des Turmes zu stark bewegte und so verhindern würde, dass sich die angelockten Falter darauf setzen können. Audiobeitrag Lichtfang

Ein Vertreter aus der Familie der Monarchen

Ein Vertreter aus der Familie der Monarchen

Schwärmer

Schwärmer

Bärenspinner

Bärenspinner

Dr. Markus Franzén auf Nachtexkursion

Dr. Markus Franzén auf Nachtexkursion

Anlockung von Nachtfaltern an künstliches UV Licht

Anlockung von Nachtfaltern an künstliches UV Licht

So ist denn die Ausbeute an angelockten Tierenrecht gering. Es kommen mehrere Exemplare des Zünslerfalters Maruca vitrata, ein Schädling an Leguminosen in den Tropen Asiens, Afrikas und Amerikas, eine aufrecht sitzende Miniermotte, mehrere Wickler sowie ein Eulenfalter. Äußerst wenig, aber bei dem Gedanken, dass in der Heimat jetzt Schnee liegt, doch auch ein schönes Gefühl, in dieser Jahreszeit ein paar Schmetterlinge zu sehen. Wie viele Arten muss es hier im Sommer geben? Bislang weiß das noch niemand. Am nächsten Morgen führt eine Exkursion in das Tal der Schmetterlinge. Ein stetig ansteigender Pfad führt in die Bergwelt der Insel und in den Lebensraum der Falter. Weit über 120 Tagfalterarten leben hier. In Gesprächen zeigt sich abermals die Notwendigkeit einer systematischen Erfassung sowie auch eines Monitorings der Schmetterlinge Chinas.

Start des 2. LepiPub Workshop

Sonntag, Dezember 13th, 2009

Am Freitag Abend, den 12. Dezember,  war es nun soweit. Die deutsche Delegation machte sich auf den Weg nach Südchina zum 2. Workshop im Rahmen des LepiPub Projektes. Das Ziel der Reise ist Guangzhou, die Provinzhauptstadt von Guǎngdōng. Schwerpunkt des Workshops wird der Erfahrungsaustausch mit chinesischen Entomologen und Lepidopterologen sein. Geplant sind Vorträge über Tagfalter und Klimawandel, über populationsökologische Zusammenhänge bei Schmetterlingen und anderen Bestäuberarten oder über die Phylogeographie verschiedener Eurasischer Schmetterlingsgattungen und –familien. Auch die Diversität von Tagfaltern der im südchinesischen Meer gelegenen Insel Hebao und des Nanling Naturreservates werden Gegenstand Workshops sein. Sie stellen auch die Hauptziele der Exkursionen des 2. Workshops dar. Wir wollen im Rahmen dieses Blogs wieder über Inhalte, Ziele und v.A. Eindrücke des theoretischen und praktischen Wissensaustauschs zwischen deutschen und chinesischen Wissenschaftlern möglichst anschaulich und spannend berichten.

Exkursionsziele des 2. LepiPub Workshops

Exkursionsziele des 2. LepiPub Workshops

Was ist eigentlich “kryptische Artbildung” ?

Dienstag, Dezember 1st, 2009

Der Dezember naht und damit der zweite Workshop im Rahmen des LepiPub Projektes. Kernpunkt des Workshops bildet die Exkursion der deutschen Wissenschaftler gemeinsam mit ihren chinesischen Kollegen in den Süden Chinas. Eine Vertreterin der deutschen Delegation, Sylvia Ritter vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, arbeitet im Rahmen ihrer, von der Volkswagenstiftung geförderten, Doktorarbeit, u.A. am spannenden Thema kryptische Artbildung. Was versteht man aber eigentlich unter kryptischer Artbildung.Cymothoe egesta / Cymothoe confusa

Von kryptischen Arten sprechen die Systematiker der Biologie, wenn sich hinter einer morphologisch klar abgegrenzten und wissenschaftlich beschriebenen Art eigentlich mehrere Arten, meist nah verwandt, verbergen (Bickford et al. 2006). Diese Arten sehen sich zum Verwechseln ähnlich, da sie im Laufe ihrer Evolution zwar ihre ökologische Nische geändert haben, z.B. die Spezialisierung auf bestimmte Wirte, jedoch nicht ihr Aussehen. Da der Mensch (als „visuelles Tier“) die meisten seiner Mitgeschöpfe auf Grund morphologischer Eigenheiten klassifiziert und voneinander abgegrenzt hat, verbergen sich viele unentdeckte Arten hinter der jeweils beschriebenen „Morphospezies“. Erst mit der breiten Nutzung von molekulargenetischen Methoden, besonders der Sequenzierung von ganz bestimmten Genabschnitten, konnten in den letzten Jahren viele kryptische Arten entdeckt werden.

Sylvia Ritter (UFZ) beim Erfassen von GPS Koordinaten

Sylvia Ritter (UFZ) beim Erfassen von GPS Koordinaten

So auch bei den Schmetterlingen, wie z.B. bei dem tropischen Edelfalter Cymothoe egesta (McBride et al. 2009) oder bei dem neotropischen Dickkopffalter Astraptes fulgerator (Hebert et al. 2004). Auch bei den eurasisch verbreiteten, stark gefährdeten Ameisenbläulingen (Phengaris) wird vermutet, dass sich hinter den heute bekannten Arten mehrere bisher nicht entdeckte kryptische Arten verbergen (Als et al. 2004). Sylvia Ritter untersucht, ob diese Vermutung bestätigt werden kann. Sollte dem so sein, dann hätte das Auswirkungen auf den Gefährdungsgrad und auf den daraus abzuleitetenden Schutzstatus dieser faszinierenden Schmetterlings“arten“.

Zweiter Workshoptag – Impressionen

Mittwoch, August 12th, 2009
Einführung zur Exkursion durch Dipl.Ing.(FH) Jens Kipping

Einführung zur Exkursion durch Dipl.Ing.(FH) Jens Kipping

Der zweite Workshoptag, ganz im Zeichen der ersten Exkursion, führte die Teilnehmer in die Gegend von Altenburg (Sachsen_Anhalt). Audio-Beitrag “Ankommen in Windischleuba” (klicken zum abspielen) Die im Altenburger Land liegenden FFH-Gebiete Haselbacher Teiche und Pleißeaue“ und „Pleißewiesen Windischleuba“ mit Beständen des Großen Wießenknopfes (Sanguissorba officinales) bieten Lebensraum für Vorkommen der gefährdeten Wiesenknopf-Ameisenbläulingsarten Phengaris(Maculinea) nausithous und P. teleius. Seit den 1970er-Jahren sind die Bestände der beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulingsarten rückgängig, so dass mittlerweile eine kritische Grenze erreicht ist. Der Bestand des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings Maculinea

teleius war 2005 noch das individuenreichste der drei in Thüringen existierenden Vorkommen.

Die Exkursion fand unter großem Medieninteresse statt

Die Exkursion fand unter großem Medieninteresse statt

Die seit über zehn Jahren bestehende Wirtschaftsweise auf den Wiesenflächen und die vor allem in den 1980er-Jahren reduzierte Ausstattung an Strukturen verursachen die permanente Verringerung der Populationsstärken, so dass eingeschätzt wird, dass M. teleius derzeit kurz vor dem Aussterben steht. Maßnahmen der Bestandserhaltung sind nach Auffassung der mit den Populationen beschäftigten Experten (Mauritianum Altenburg, TLUG) nur durch eine Verbesserung des Lebensraumzustandes möglich. Dazu gehören zum einen Nutzungsänderungen, aber vor allem auch landschaftsbauliche Maßnahmen, wie Vernässungen und Strukturbereitstellung.

Einführung und Vorstellung des Standortes

Einführung und Vorstellung des Standortes

Dipl.-Ing. (FH) Jens Kipping vom Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg und Projektleiter ENL-Projekt Pleißeaue Altenburger Land gab eine Einführung zum Standort und leitete die Teilnehmer über die Wiesen. Die Witterungsverhältnisse am Exkursionstag konnten leider nicht als ideal bezeichnet werden, so dass, bedingt durch starken Regenfälle der voran gegangenen Nacht, sehr wenige Ameisenbläulinge zu sehen waren. Audio-Beitrag “Endlich! Ein Wiesenknopf Ameisenbläuling” (klicken zum abspielen)

Geduldige Suche nach den ersten Bläulingen

Geduldige Suche nach den ersten Bläulingen

Phengaris nausithous auf Großem Wiesenknopf

Phengaris nausithous auf Großem Wiesenknopf

Die intensive Suche sollte aber letztlich doch vom Erfolg gekrönt sein.

Nach dem Besuch des Untersuchungsgebietes „Pleißewiesen Windischleuba“, welches unter großem Medieninteresse stattfand, folgte ein Besuch des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg statt. Hier hatten die Besucher die Möglichkeit einen Teil der entomologischen Sammlung zu besichtigen.

Audio-Beitrag “Resümé” (klicken zum abspielen)

Der erste Fund!

Der erste Fund!

Teil der entomologischen Sammlung des Mauritianums

Teil der entomologischen Sammlung des Mauritianums

Ein weiteres Ziel des zweiten Tages war ein Besuch des Asisi Panometers in Leipzig um die „AMAZONIEN“ 360° Panoramaausstellung zu besichtigen. Die Vielschichtigkeit der Natur mit ihren ineinander greifenden Mechanismen faszinierte auch den Naturforscher Alexander von Humboldt. Zeit seines Lebens wollte der 1769 im Schloss Tegel bei Berlin geborene Humboldt die Natur in ihrer Gesamtheit darstellen. Ganz bewusst hat sich Yadegar Asisi deshalb dafür entschieden, seine neue Panoramaausstellung AMAZONIEN als Hommage an den großen Preußen zu gestalten. Beim Ausstellungsort handelt es sich um ein historisches Gasometer. Es misst monumentale 100 Meter Länge und 30 Meter Höhe. Wie ist es, vor einem 25 Meter hohen Baum zu stehen? Wie verbringt eine Ameise ihren Tag im Urwald?

Führung Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Führung Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Falterpräparate Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Falterpräparate Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Wie sieht eigentlich eine tropische Stechmücke aus, und welche Persönlichkeiten haben bislang das Amazonasgebiet erforscht? Die begleitende Ausstellung zu AMAZONIEN gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Auf anschauliche Weise werden in den 8 Abteilungen das Ökosystem, seine Biodiversität, das Tarnen und Täuschen der Insekten sowie die Blütenwelt erlebbar gemacht.

Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Asisi Panometer Leipzig "AMAZONIEN"

Erster Workshoptag – Impressionen

Dienstag, August 11th, 2009
Teilnehmer des 1. LepiPub Workshops

Teilnehmer des 1. LepiPub Workshops

Der Montag und damit der erste Workshoptag neigen sich dem Ende. In entspannter Atmosphäre konnten sich die deutschen Workshopteilnehmer und die chinesischen Gäste gegenseitig kennen lernen. Der Kubus, das Konferenzzentrum des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ, in Leipzig, verlieh den ersten interessanten Vorträgen den passenden Rahmen.

KUBUS (Quelle UFZ)

KUBUS (Quelle UFZ)

Christiana Tings (BMBF)

Christiana Tings (IB des BMBF)

Nach der Begrüßung durch Dr. Andreas Schmidt, dem administrativen Geschäftsführer des UFZ, hieß Christiana Tings, als Vertreterin des Internationalen Büros des BMBF, als Ausrichter des Deutsch-Chinesischen Jahres 2009/2010, die Teilnehmer willkommen.

Neben PD Dr. Josef Settele, als Vertreter der deutschen Wissenschaftler und der Butterfly Conservation Europe BCE, richtete auch Prof. Dr. Yalin Zhang, für die chinesischen Gäste und die Chinesische Butterfly Society, herzliche Begrüßungsworte an die Workshopteilnehmer.

Prof. Dr. Yalin Zhang

Prof. Dr. Yalin Zhang

Josef Settele ging dabei auf die Genese des Workshops ein und stellte nochmals die Ziele heraus, die vor allem in der Vernetzung laufender Forschungsaktivitäten und der Anbahnung neuer Initiativen besteht, sowie darin, das Thema „Schutz der Biodiversität“ noch stärker in die deutsche, chinesische und internationale Öffentlichkeit zu tragen.

PD Dr. Josef Settele

PD Dr. Josef Settele

In dem ersten Vortrag des Tages wurden von Josef Settele ausgewählte Projekte der Biodiversitätsforschung am UFZ vorgestellt, wobei der Bogen von bisherigen Erfahrungen hin zu zukünftigen Perspektiven gespannt wurde. Dieser reichte bei den Erfahrungen von kurzen Gedanken zu den später ausführlich vorzustellenden Ameisenbläulingen, von Elementen der Ästhetik und Ökonomie im Naturschutz, über Ökosystemdienstleistungen (insbesondere biologische Schädlingsbekämpfung und Bestäubung) bis hin zu den Erfahrungen im großen Forschungsprojekt „ALARM“ (www.alarmproject.net). Der Ausblick umfasste insbesondere neu beginnende Vorhaben im Bereich der Skalenabhängigkeit von Biodiversitätsprozessen (Projekt: SCALES), der Anpassung gefährdeter Arten an klimatische Veränderungen durch Management-Maßnahmen (Projekt CLIMIT), bis zu geplanten Vorhaben im Bereich Landnutzungssysteme und Dienstleistungen. Es wurden hier jeweils erste Anregungen bezüglich des Potentials der Vorhaben für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit herausgestellt.

PD Dr. Josef Settele

PD Dr. Josef Settele

Hinführend zum Block über die Ökologie der Ameisenbläulinge, präsentierte Josef Settele eine Übersicht über die zahlreichen Aspekte dieser Schmetterlinge, die in Europa durch die FFH-Richtlinie rechtlich hohen Schutz genießen. Insbesondere wurden die Möglichkeiten und Schwierigkeiten für das Management der Populationen herausgearbeitet, die eng damit zusammenhängen, dass die Tiere in Europa (im Gegensatz zu Teilen Chinas) in anthropogenen Lebensräumen auftreten und zum Überleben letztlich auf die menschliche Nutzung angewiesen sind.

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) gehört zu den parasitischen Bläulingen. Die Raupen dieser Gattung verbringen den Großteil ihrer Entwicklung räuberisch in den Nestern von Knotenameisen. Zuvor fressen sie jedoch für eine kurze Zeit auf bestimmten Futterpflanzen und entwickeln dort einen Trick, der ihnen ein Leben mit viel Nahrung und in sicherer Obhut verspricht: chemische Nachahmung. Die Raupen ahmen mit ihrer chemischen Oberfläche den Nachwuchs von Ameisen nach. Trifft die Arbeiterin einer bestimmten  Wirtsameise auf die Bläulingsraupe, hält sie diese für ihre eigene Brut. Damit ist der Weg frei in die Ameisenkolonie, deren Eingänge für Eindringlinge sonst nur schwer zu durchdringen sind.

Wespe parasitiert Raupen des Dunklen Ameisenbläulings (Tom Schulte)

Wespe parasitiert Raupen des Dunklen Ameisenbläulings (Tom Schulte)

Die Arbeiterin trägt die Raupe ins Nest, wo diese vor Fressfeinden sicher ist und bis zum nächsten Sommer räuberisch von der Ameisenbrut ernährt. Obwohl die Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings nur kurze Zeit außerhalb des sicheren Ameisennests leben, werden sie in diesen zwei Wochen Opfer von parasitischen Wespen. Die hoch spezialisierte Schlupfwespe Neotypus melanocephalus spürt die Raupen auf und legt ein Ei in sie. Die Wespenlarve ernährt sich in den kommenden Monaten von der Körperflüssigkeit des Wirtes. Kurz vor dem Abschluss der Metamorphose des Bläulings im Ameisennest tötet der so genannte Parasitoid seinen Wirt: Aus der Puppenhülle schlüpf statt des Schmetterlings die ausgewachsene Schlupfwespe.

Adoption einer Bläulingsraupe durch eine Knotenameise (Christian Anton)

Adoption einer Bläulingsraupe durch eine Knotenameise (Christian Anton)

Prof. Dr. Shuxia Wang

Prof. Dr. Shuxia Wang

Neben Dr. Christian Anton sprach auch Sylvia Ritter zum Thema Ameisenbläulinge und stellte ihre Arbeit vor. In Ihrer Doktorarbeit untersucht Sie die phylogenetischen und phylogeografischen Beziehungen zweier Ameisenbläulingsarten (Phengaris nausithous and P. teleius) innerhalb ihres paläarktischen Verbreitungsgebietes anhand von Sequenzen der mitochondrialen Markergene Cytochromoxidase I und II und anhand von Fragmentlängenpolymorphismen des Kerngenoms (AFLP). Eine weitere Frage, der Sylvia Ritter nachgeht ist die der kryptischen Artbildung. (Als et al. 2004).

Sylvia Ritter

Sylvia Ritter

Ameisenbläulinge (Phengaris) sind Schmetterlinge, deren Larven in ihrem letzten Larvenstadium als soziale Parasiten in Ameisennestern der Gattung Myrmica (Rote Knotenameisen) leben. Es gibt 12 (oder mehr?) Arten dieser Gattung, die von Europa bis Ostasien paläarktisch verbreitet sind. Ins Nest gelangen sie durch ihre Fähigkeit, die artspezifischen Ameisengerüche nachzuahmen. Arbeiterinnen erkennen die Schmetterlingslarven als etwas Eigenes an, adoptieren diese und tragen sie in ihr Nest. Dort ernähren sich die Larven, je nach Art, entweder räuberisch von der Ameisenbrut oder sie werden direkt zur Brut gelegt wo sie von den Arbeiterinnen zusammen mit deren eigenen Larven gefüttert werden. Die parasitische Lebensweise erfordert enorme Anpassungsstrategien der Schmetterlingslarven an ihren Wirt, um von diesem nicht doch als Eindringling im eigenen Nest erkannt zu werden.

Beiträge von Prof. Houhun Li zur Schmetterlingsforschung im Baxianshan Reservat (China) und von Dr. Chengli Zhou zur faszinierenden Biologie von Kallima inachus einem Schmetterling mit erstaunlicher Fähigkeit zur Nachahmung von Blättern seiner natürlichen Umgebung, rundeten die Vortragsreihe des ersten Tages ab.

Prof. Junyi Shi

Prof. Junyi Shi

Entspannte Atmosphäre

Entspannte Atmosphäre

Dr. Chengli Zhou

Dr. Chengli Zhou

Prof. Houhun Li

Prof. Houhun Li

In Erwartung der ersten Exkursion am zweiten Workshoptag, ließen die Teilnehmer den ersten Tag ausklingen.