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Archive for Dezember, 2009

Abschließendes Resümee des 2. Workshops

Mittwoch, Dezember 23rd, 2009
Pausengespräch vlnr Markus Franzén, Houshuai Wang, Matthias Nuss

Pausengespräch vlnr Markus Franzén, Houshuai Wang, Matthias Nuss

Der 2. Workshop im Kontext des LepiPub-Projektes hat die beiden Delegationen einander ein weiteres Stück näher gebracht. Durch die Exkursionen und andere gemeinsame Aktivitäten am Rande des Workshops konnte man die Kontakte vertiefen und gegenseitiges Vertrauen schaffen. Es kristallisieren sich weitere Kooperationsmöglichkeiten heraus. Es werden weitere gemeinsame Analysen und Publikationen angedacht bzw. bereits entwickelt.

Ganqing Chen fotografiert während des Workshops

Ganqing Chen fotografiert während des Workshops

Zudem konnten Vorschläge unterbreitet werden, wie die zum Teil sehr spannenden Ergebnisse der chinesischen Kollegen international besser verbreitet werden können. Ebenso wurde die Vorbereitung eines längeren Aufenthaltes einer chinesischen Kollegin in Deutschland initiiert. Konkretere Pläne zu biogeografischen Analysen im Rahmen eines Forschungsvorhabens werden von chinesischer wie deutscher Seite als erfolgversprechend angesehen und sollen weiter verfolgt werden. Von chinesischer Seite gewinnt auch das Monitoring zunehmend an Interesse, so dass es eventuell gelingen könnte, einige erste Transekte in absehbarer Zeit einzurichten. Als sehr gutes Zeichen dafür, wie die Workshops in China ankamen und aufgenommen werden, kann auch gewertet werden, dass die Angebote, den nächsten und abschließenden Workshop im ersten Halbjahr 2010 zu organisieren, vielfältig sind. Voraussichtlich soll er an 2 Orten (Nanjing und Xi’an) stattfinden, so dass an beiden Universitäten unter anderem auch die Internationalität der entomologisch tätigen Kollegen herausgestellt werden kann. Alle Beteiligten freuen sich auf das Wiedersehen und die Festigung der Kooperation in wenigen Monaten.

Arbeit am Blog

Arbeit am Blog

Die Abschließende Exkursion im Rahmen des 2. Workshops auf die Insel Hainan

Sonntag, Dezember 20th, 2009
Jianfengling National Forest Parkauf der Insel Hainan

Jianfengling National Forest Parkauf der Insel Hainan

Nach Ankunft vom Nanling National Park am Abend des 17. Dezember, setzt ein Teil der deutschen und chinesischen Delegation die Reise auf die Insel Hainan fort, um dort vor allem einen Eindruck der artenreichen chinesischen Tropenwälder zu gewinnen. Nach dem mehrfach verschobenen Abflug aus Guangzhou kommt das Team schließlich am 18. Dezember um 4:00 Uhr morgens im Hotel in Sanya an.

Prof. Wang und Kollegen im Jianfengling National Forest Park auf Hainan

Prof. Wang und Kollegen im Jianfengling National Forest Park auf Hainan

Sanya ist mit einer halben Million Einwohnern die Hauptstadt der Insel. Nach einer etwas kürzer geratenen Nacht und nach Lösung einiger logistischer Probleme erreicht die Gruppe  den „Jianfengling National Forest Park“ schließlich um 15:00 Uhr. Es handelt sich dabei um den größten zusammenhängenden Urwaldrest Chinas – und den einzigen wirklichen Tropenwald des Reiches der Mitte. Mit fast 600 Tagfalterarten ist Hainan zugleich auch das artenreichste Gebiet (auf die Fläche bezogen) Chinas insgesamt. Wie für tropische Wälder üblich, sind jedoch die Falter nur sehr vereinzelt wahrnehmbar, da sie oft in den Wipfelregionen fliegen. Mehr Falter bekommt die Gruppe später während eines kurzen Zwischenstopps in der Kulturlandschaft zu sehen.

Syntarucus Plinius

Syntarucus plinius bei der Paarung

Auf einer jungen Mango-Anbaufläche tummeln sich zahlreiche Dickkopffalter und Bläulinge, die beim Blütenbesuch beobachtet werden können. Am 19. Dezember ist ein abschließender Besuch im „Butterfly Valley“ angesagt – einer Anlage, in der auf großer Fläche der Wald mit einem Netz überspannt worden ist und wo die Falter in naturnahem Lebensraum beobachtet werden. Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen erfolgt die Abreise von Sanya mit dem Flugzeug nach Guangzhou und dann von dort nach Deutschland.

Redaktionsteam bei der Arbeit

Redaktionsteam bei der Arbeit

Die 2. Exkursion – Das „Nanling Nature Reserve“

Sonntag, Dezember 20th, 2009

Teezeremonie zum Frühstück

Teezeremonie zum Frühstück

Donnerstag, 17.12.09, wieder frühes Wecken. Auf dem Programm steht das Nanling Nature Reserve, das als reichhaltige Genbank für Flora und Fauna gilt. Je höher der Bus sich in die Berge schraubt, desto weiter fallen die Temperaturen.

Eine Riskante Rutschpartie - Wir mussten laufen...

Eine Riskante Rutschpartie - Wir mussten laufen...

An einer Steigung bleibt der Bus auf der Sandstraße stecken und alle müssen aussteigen und ein Stück laufen. Tatsächlich sind die Temperaturen hier auf dem Nullpunkt – die Bäume sind mit dünnem Eis überzogen, es sieht aus wie in einem Zauberwald.  Audiobeitrag Nanling Nature Reserve

...und hatten dadurch die Möglichkeit das Eis auf den Zweigen zu entdecken

...und hatten dadurch die Möglichkeit das Eis auf den Zweigen zu entdecken

Schmetterlinge werden also unter diesen Bedingungen nicht zu sehen sein.

Eis auf Bambus

Eis auf Bambus

Der Wald in dem wir uns befinden, gehört zu einer Laubwald-Kette, die von Indien bis Japan reicht und die am Übergang zwischen den biogeografischen Regionen „Palaearktis“ and „Orientalis“ liegt. Das Reservat gilt als „Mega-Biodiversitäts-Region“. Auf dem Gipfel (1900 Meter über dem Meeresspiegel), der schon am Rande der Baumgrenze liegt, sammelt sich die Gruppe zu einem Foto. Hier bricht die Sonne durch und scheint auf ein Meer aus Nebel, aus dem nur wenige Gipfel ragen. Vom Nanling Reserve geht es zurück Richtung Flughafen Guangzhou. Einige Kollegen, die an diesem Abend die ersten Flüge erreichen müssen, werden unruhig, als der Bus in eine Vollsperrung auf der Autobahn gerät. Es dauert über eine Stunde, ehe es endlich weiter geht. Alle erreichen ihre Flieger noch rechtzeitig. Der größte Teil der Gruppe fliegt zusammen mit Prof. Min Wang und Dr. Xiushan Li auf die Insel Hainan. Der Abflug verzögert sich, so dass das Hotel in Sanya erst um 4 Uhr morgens erreicht wird. Hainan mit seinem tropischen Klima ist zum einen eine chinesische Ferieninsel, wo sich an palmenbestandenen Stränden kilometerlang Hotel an Hotel reiht, zum anderen aber auch die Insel mit den größten geschlossenen Waldbeständen Chinas überhaupt – und diese sind unter anderem Ziel der Workshop-Teilnehmer.

Nanling, National Natur Reserve, auf 1900 Meter Höhe

Nanling, National Nature Reserve, auf 1900 Meter Höhe

auch schlechtes Wetter hat seine schönen Seiten

auch schlechtes Wetter hat seine schönen Seiten

Der 2. Workshoptag – Impressionen

Donnerstag, Dezember 17th, 2009
Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Oliver Schweiger gibt seine Präsentation zu Klimawandel und Tagfaltern

Nach der sehr interessanten und für die Stimmung und die gegenseitige Begegnung sehr förderlichen Exkursion war nun für den 16. Dezember der nächste Workshop-Tag angesagt. Als erste trug Frau Li-Jun Fang über die Artenvielfalt und Taxonomie der Edelfalter (Nymphalidae) Chinas vor. Während global etwa 6500 Arten aus dieser Gruppe bekannt sind, kommen gut 10% davon in China vor. Der Anteil der nur in China auftretenden (der also für China „endemischen“) Arten beträgt etwa 6%. Dies zeigte zum wiederholten Male die herausragende Bedeutung China’s für die globale Artenvielfalt. Wesentlicher Inhalt des Vortrages wie der darauf folgenden Diskussion war die biogeografische Analyse der Arten, wobei dazu angeregt wurde, molekulare und morphologische Charakteristika zur Erstellung der Phylogenie in Zukunft noch stärker zu verbinden. Im Anschluss berichtete Shan-yi Zhou in einem sehr engagierten Beitrag über die Erforschung der Biologie eines Tagfalters von nationaler Naturschutzrelevanz für China.

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Zhaohui Li spricht über die Tagfalter der Provinz Jiangsu

Die Art Teinopalpus aureus ist in der gleichen Kategorie eingeordnet wie der Panda-Bär, was zur Orientierung bezüglich der Schutzwürdigkeit sehr hilfreich ist! Herr Zhou stellte seine Konstruktionen vor, mit deren Hilfe es gelungen ist, im Kronendach der Wälder – dem Lebensraum dieser Art – diese Forschung durchzuführen. Erstmals wurden sehr ansprechende quantitative Daten zu den einzelnen Entwicklungsstadien zusammengetragen und das Verhalten näher beobachtet. Die Diskussion drehte sich dann vor allem um den Gefährdungsstatus des Tieres und die rechtlichen Konsequenzen. Für das illegale Einfangen erwarten den Übeltäter mehrere Jahre Gefängnis, was schlüssig ist bei Schwarzmarktpreisen von bis zu 20.000 Dollar für ein gut erhaltenes Paar dieser schönen Falter. Zhao-hui Li sprach über die Vielfalt der Tagfalter in der Jiangsu Province, wo diese vor allem als Indikatoren für die Umweltqualität in Grasländern und Wäldern betrachtet werden. Beeindruckend waren die Informationen über die sogenannte “Luehdorfia Action”, bei der der für China endemische Ritterfalter Luehdorfia chinensis in den Zijin Mountains geschützt wird und er auch als Symbol für breit angelegte Umweltschutzmaßnahmen dient, bei denen als öffentliche „Ertüchtigung“ dieser Berg regelmäßig durch Freiwillige von Unrat befreit wird. Des Weiteren wurde die Biologie einiger ausgewählter Arten vorgestellt und als zukünftige Forschungsschwerpunkte neben derer weiterer Erforschung die

Dialog während der Pause

Dialog während der Pause

Verhaltensökologie speziell ein Tagfalter-Monitoring herausgestellt. Herr Li bekräftigte auch nochmals die Einladung für den nächsten LepiPub Workshop 2010 an die Nanjing Universität, die er im Rahmen dieses Workshops vertreten hat. Nach der Mittagspause wurde als kleiner Exkurs in die Welt der Laufkäfer von Herrn Lei Gao die Arten der Gattung Carabus im Nanling Natur-Reservat vorgestellt. Es wurden Analysen der Artenzusammensetzung entlang verschiedener Umwelt- und Höhengradienten präsentiert. Beeindruckend waren vor Allem auch die Bilder eines Kälteeinbruchs Anfang 2008, der große Waldbestände durch Eisbruch vernichtete. In Fortsetzung der Veranstaltung lieferte Oliver Schweiger eine Gesamtübersicht über die Arbeiten des UFZ zum Thema Tagfalter und Klimawandel. Nach der Vorstellung des Klimaatlas der Tagfalter Europas wurden neue Analysen auf Basis der Kombination mehrerer Arten und deren Abhängigkeit von den Raupennahrungspflanzen, sowie der kombinierten Effekte von klimatischer Veränderung auf Pflanzen und Falter präsentiert. Hier schloss sich eine lebhafte Diskussion zu Fragen des methodischen Vorgehens aber auch zum Klimawandel insgesamt an, die auch in der Kaffeepause weitergeführt wurde. Doch bevor die Kaffeepause eröffnet wurde, durften die Workshop-Teilnehmer noch die zahlreiche faszinierenden Fotos von Xichang Chen bewundern, der in der Stadt Guangzhou als Lehrer im „Palast der Kinder“ tätig ist und herrliche Studien zu Tagfaltern der weiteren Umgebung und deren Lebensweisen durchführt. Als vorletzter Redner des Tages präsentierte Markus Franzén Studien zur lokalen Populationsdynamik

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

Lijun Fang, Lian Chen und Josef Settele (vlnr)

verschiedener Bestäubergruppen, also von Tagfaltern, Bienen/Hummeln und Schwebfliegen. Am Beispiel schwedischer Studien konnte gezeigt werden, wie interessant eine kontinuierliche Beobachtung mit längerjährigen Messreihen sein kann und wie dynamisch die uns umgebende Natur mitunter agiert. Als Nebeneffekt wurde den Zuhörern auch ein gewisser Einblick über die Geografie und naturräumliche Ausstattung Schwedens vermittelt, das als gesamtes Land nur etwa 2/3 der Einwohnerzahl der Stadt Guangzhou aufweist. Abschließend stellte Xiushan Li seine für China ziemlich einmaligen Forschungen zur Populationsbiologie gefährdeter asiatischer Schwalbenschwanz-Arten am Beispiel von Sericinus montelus vor. In aufwändigen mehrjährigen Untersuchungen war es ihm gelungen, einige Grundvoraussetzungen zum Schutz bestimmter Arten aber auch ganzer Artengemeinschaften herauszuarbeiten und entsprechende Empfehlungen für den Schutz der Falter abzuleiten. In der Diskussion  wurden erdgeschichtlich wie landnutzungsabhängige Faktoren, die sich auf die Fauna ausgewirkt haben dürften, eingehender diskutiert. Abgerundet wurde der wiederum sehr produktive Tag durch eine Bootsfahrt mit Abendessen auf dem Perlfluß vor der Skyline der 13 Millionen-Stadt Guangzhou.

Guangzhou bei Nacht

Guangzhou bei Nacht

Die erste Exkursion – Impressionen

Mittwoch, Dezember 16th, 2009
Aufbruch ins Inselinnere

Aufbruch ins Inselinnere

Am Morgen des 14. Dezembers brechen die Workshop-Teilnehmer zur ersten Exkursion auf. Ziel ist die kleine Insel He-Bao, vor Macao, im südchinesischen Meer. Auf der Fahrt kann man einen guten Eindruck vom Bauboom in China gewinnen. Guangzhou ist eine Megacity, in der überall neue Hochhäuser aus dem Boden schießen. Die Straßen werden verbreitert und außerhalb der Siedlungen entstehen neue Industriegebiete. Auf die etwa 13 km2 große Insel He-Bao, deren höchster Berg gut 300 m hoch ist, gelangen die Wissenschaftler mit einem Expressboot. Danach geht es im Kleinbus auf einer gewundenen Straße zum Hotelcamp, vorbei an einer Sekundärvegetation aus Büschen, Lianen und vereinzelten Bäumen. Audiobeitrag “He-Bao Island”

Im Schmetterlingstal auf  He-Bao Island

Im Schmetterlingstal auf He-Bao Island

Das National Science Popularization Training Camp liegt im Süden der Insel. Im Sommer ist dieses Eiland Ziel für Badegäste um zu Schmetterlingsfans. Jetzt im Winter sind die deutsch-chinesischen Wissenschaftler die einzigen Gäste. Am 14. und 15. Dezember liegen die Tagestemperaturen noch über 20°C. Es weht ein starker Wind und die Bergspitzen sind von Wolken verhangen. Nur vereinzelt sieht man ein paar Tagfalter fliegen: Schwalbenschwänze, Bläulinge, Weißlinge und Riodiniden. Im Gras auf den Dünen entdeckt man dann kleine Motten: Zünsler- und Eulenfalter. Doch die Vegetation verrät, dass es hier mehr Schmetterlinge gibt. Blätter zeigen Minengänge, durch die sich die Raupen von Miniermotten fraßen, andere weisen angenagte Blattränder auf und wieder andere sind zu einer Tüte eingerollt, in der einst eine Raupe lebte und nun nur noch die Exkremente verblieben sind. Das Abendessen war ausdauernd und reichlich.

Prof. Dr. Zhao-hui Li und Leiter der Station Ganqing Chen vor dem Begrüßungsbanner zum Workshop

Prof. Dr. Hou-hun Li (rechts) und Leiter der Station Ganqing Chen (links) vor dem Begrüßungsbanner zum Workshop

Prof. Dr. Yalin Zhang im Gespräch mit PD Dr. Josef Settele

Prof. Dr. Yalin Zhang im Gespräch mit PD Dr. Josef Settele

Die chinesischen Studenten nutzten die Zeit, um sich mit ihren Professoren und den europäischen Wissenschaftlern auszutauschen. Dieser Abend wird sehr lang. Karaoke-Singen steht auf dem Plan – eine Abendbeschäftigung, die in China mit großer Leidenschaft zelebriert wird. Für die Forscher Matthias Nuss, Markus Franzén und Josef Settele ist das die Zeit, um sich ins Buschwerk zu schlagen und mit einem „Lichtfang“ Motten anzulocken. Die Wissenschafter wollen wissen, ob in der Nacht mehr Schmetterlinge aktiv sind. Sie bauen einen Leuchtturm auf, einen 2 m hohen Zylinder aus weißer Gaze, in dessen Mitte zwei Leuchtstoffröhren hängen, die ultraviolettes Licht emittieren. Paradoxerweise werden Nachtfalter, die in der

Nachtfalter am Licht

Ein Nachtfalter (Lopharthrum comprimens (Walker)) am Licht

Dunkelheit fliegen, von solchem künstlichen Licht angelockt. Aufgrund des starken Windes auf der Insel müssen sie im Buschwerk Schutz vor dem starken Wind suchen, der den Stoff des Turmes zu stark bewegte und so verhindern würde, dass sich die angelockten Falter darauf setzen können. Audiobeitrag Lichtfang

Ein Vertreter aus der Familie der Monarchen

Ein Vertreter aus der Familie der Monarchen

Schwärmer

Schwärmer

Bärenspinner

Bärenspinner

Dr. Markus Franzén auf Nachtexkursion

Dr. Markus Franzén auf Nachtexkursion

Anlockung von Nachtfaltern an künstliches UV Licht

Anlockung von Nachtfaltern an künstliches UV Licht

So ist denn die Ausbeute an angelockten Tierenrecht gering. Es kommen mehrere Exemplare des Zünslerfalters Maruca vitrata, ein Schädling an Leguminosen in den Tropen Asiens, Afrikas und Amerikas, eine aufrecht sitzende Miniermotte, mehrere Wickler sowie ein Eulenfalter. Äußerst wenig, aber bei dem Gedanken, dass in der Heimat jetzt Schnee liegt, doch auch ein schönes Gefühl, in dieser Jahreszeit ein paar Schmetterlinge zu sehen. Wie viele Arten muss es hier im Sommer geben? Bislang weiß das noch niemand. Am nächsten Morgen führt eine Exkursion in das Tal der Schmetterlinge. Ein stetig ansteigender Pfad führt in die Bergwelt der Insel und in den Lebensraum der Falter. Weit über 120 Tagfalterarten leben hier. In Gesprächen zeigt sich abermals die Notwendigkeit einer systematischen Erfassung sowie auch eines Monitorings der Schmetterlinge Chinas.

Schutz der Biodiversität: 2. Deutsch-Chinesischer Workshop zur Zukunft von Schmetterlingen

Dienstag, Dezember 15th, 2009

Nach Ankunft der deutschen und chinesischen Delegationen am 12. Dezember 2009 in Guangzhou (Kanton) in Süd-China, fand am 13. Dezember 2009 der erste Workshop-Tag im Gästehaus der South China Agricultural University (SCAU) statt, der sich in einer schönen Grünlage befand. Es wurden zur Umrahmung die Bilder des neuen Tagfalter-Kalenders 2010 ästhetisch ansprechend im Garten aufgestellt. Die Moderation des Tages lag bei Prof. Dr. Min Wang, der von Seiten der SCAU auch die Vorbereitungen des Treffens in enger Kooperation mit Dr. Xiushan Li koordinierte.

Der Veranstaltungsort des 2. LepiPub Workshops

Der Veranstaltungsort des 2. LepiPub Workshops

Im Rahmen der Eröffnungszeremonie wurden 5 Grußworte gesprochen von:

  • Prof. Dr. Xinnian Zeng und Prof. Dr. Guangwen Liang von der (SCAU) im Namen des „College of Natural Resources and Environment“ bzw. der „State Key Discipline of Agricultural Entomology and Pest Control & Guandong Entomological Society“
  • PD Dr. Josef Settele im Namen des UFZ und im Namen von „Butterfly Conservation Europe“
  • Dr. Xiushan Li als ehemaligem Gastwissenschaftler des UFZ als Koordinator des Forums auf chinesischer Seite
  • Prof. Dr. Yalin Zhang im Namen der „Chinese Butterfly Society“

Nach dem darauffolgenden Termin für ein Gruppenfoto (Audiobeitrag “Aufstellen zum Gruppenfoto”) begann das fachliche Programm mit einer Vorstellung des ALARM-Projektes durch Josef Settele, wobei ein spezieller Fokus auf die internationale Kooperation im Rahmen größerer Projekte und insbesondere deren Vorteile gerichtet wurde. Besonders wurde auch auf neue Initiativen eingegangen, die derzeit aus ALARM heraus entstehen und besonders den asiatischen Raum mit umfassen. (Audiobeitrag “Begrüßungen und Vorträge”) Letzteres im Kontext der aktuellen Fragen der Dienstleistungen von Ökosystemen und Biodiversität für den Menschen in Reis- und Weizen-dominierten Landnutzungssystemen.

Die Teilnehmer des 2. LepiPub Workshops

Die Teilnehmer des 2. LepiPub Workshops

Die ersten Präsentationen der Workshops

Die ersten Präsentationen der Workshops

Reinart Feldmann berichtete anschließend über das Tagfalter-Monitoring Deutschland. Besonders ging er auf die Rolle von ehrenamtlichen Mitarbeitern für solche Vorhaben ein, was in darauf folgenden Diskussionen von verschiedenen Seiten thematisiert wurde – und was für eine Übertragung der Monitoring-Idee nach China als kritischer Punkt betrachtet wird, den es phantasievoll anzugehen gilt. Nach der kulinarisch sehr ansprechenden Mittagspause berichtete James Young aus Hongkong über seine langjährigen Erfahrungen bei der Erforschung der Biologie der Tagfalter Südost-Asiens. Ihm gelang es im Laufe einiger Jahre die Biologie von etwa 400 Tagfalter-Arten aufzuklären, über die das Wissen zuvor nur sehr begrenzt war. Dies verwirklichte er durch konsequente Suche von Eiern oder Raupen im Freiland, die er dann im Labor zum erwachsenen Falter durchziehen konnte. Der dadurch gewonnene Erkenntniszuwachs macht viele Arbeiten und Bemühungen zum Schutz von Schmetterlingen erst möglich, da dadurch einige der Grundansprüche der Tiere an ihre Umwelt bekannt wurden, die es langfristig zu sichern gilt. Mit James Young wurde eine weitere engere Zusammenarbeit angebahnt, um die Erfolgschancen der Bemühungen zum Schutz der Schmetterlinge Chinas gravierend zu verbessern.

Entspanntes gemeinsames Mittagessen

Entspanntes gemeinsames Mittagessen

Inhalt des darauf folgenden Beitrages von Sylvia Ritter und Josef Settele war eine Übersicht über den Stand des Wissens bei der Erforschung der Ameisenbläulinge. Es wurden Aspekte der Biologie, Ökologie, Verbreitung, Evolutionsbiologie und des Schutzes dieser in Europa gesetzlich geschützten Tiere vorgestellt. Auch wurde deutlich, dass ein solches Niveau an Wissen zu bestimmten Arten auch für die mittelfristige Zukunft wohl die Ausnahme bleiben wird, da die für die sehr fundierte Erforschung nötigen Mittel in aller Regel von nationalen wie internationalen Organisationen und Einrichtungen sehr selten bereit gestellt werden. Als weiterer Schritt für die engere Kooperation zwischen Europa und China wird eine genauere Analyse der Verbreitung und ökologischen Verhältnissen der Ameisenbläulinge und ihrer nächsten Verwandten in einigen Regionen Chinas als zielführend empfunden. Eine engere Kooperation könnte sich unter anderem mit Prof. Dr. Min Wang von der SCAU anbahnen. Nach der Kaffeepause schloss sich der Beitrag von Matthias Nuss vom Museum für Tierkunde in Dresden an.

Dr. Matthias Nuss im Gespräch mit den chinesischen Kollegen

Dr. Matthias Nuss im Gespräch mit den chinesischen Kollegen

Er referierte über den Stand der Forschung bei der großen Familie der Zünsler-Falter und über deren Diversität und Biogeografie in China. Es wurden sehr schön die Lücken bei der systematisch-taxonomischen wie auch ökologischen Forschung aufgezeigt. Möglichkeiten engerer zukünftiger Kooperation wurden konkretisiert – beispielsweise bei der Erforschung des aus China nach Europa verschleppten Buchsbaum-Zünslers, der in vielen europäischen Parkanlagen große Schäden an den oft kunstvoll geschnittenen Buchsbaum-Beständen hervorruft. Wären mehr Informationen zur

Kaffeepause im Garten des Gästehauses

Kaffeepause im Garten des Gästehauses

Verbreitung der Art in China bekannt, könnte man wesentlich besser abschätzen, wo die Grenzen der ökologischen Nische dieser Art liegen. Dies könnte helfen das zukünftige Ausbreitungspotential in Europa besser abzuschätzen und Bekämpfungsmaßnahmen darauf abzustimmen. Zum Abschluss des Tages wurden die Teilnehmer von Ganqing Chen auf die Exkursion an den beiden Folgetagen vorbereitet. Herr Chen zeigte Bilder der Schmetterlinge der Insel Hebao, die wir am 14. und 15. Dezember besichtigen werden und wobei einige wesentliche Erkenntnisse zum Bestand und zum Schutz der dortigen Falterfauna anschaulich gemacht werden sollen – was dem Referenten durch exzellente Bilder in vollem Umfange gelungen ist. Der Tag war ein gelungener und viel versprechender Auftakt des 2. Workshops – es ist den Organisatoren aufs Herzlichste zu gratulieren und ein uneingeschränkter Dank auszusprechen für den ansprechenden Rahmen dieser inspirierenden Veranstaltung.

Start des 2. LepiPub Workshop

Sonntag, Dezember 13th, 2009

Am Freitag Abend, den 12. Dezember,  war es nun soweit. Die deutsche Delegation machte sich auf den Weg nach Südchina zum 2. Workshop im Rahmen des LepiPub Projektes. Das Ziel der Reise ist Guangzhou, die Provinzhauptstadt von Guǎngdōng. Schwerpunkt des Workshops wird der Erfahrungsaustausch mit chinesischen Entomologen und Lepidopterologen sein. Geplant sind Vorträge über Tagfalter und Klimawandel, über populationsökologische Zusammenhänge bei Schmetterlingen und anderen Bestäuberarten oder über die Phylogeographie verschiedener Eurasischer Schmetterlingsgattungen und –familien. Auch die Diversität von Tagfaltern der im südchinesischen Meer gelegenen Insel Hebao und des Nanling Naturreservates werden Gegenstand Workshops sein. Sie stellen auch die Hauptziele der Exkursionen des 2. Workshops dar. Wir wollen im Rahmen dieses Blogs wieder über Inhalte, Ziele und v.A. Eindrücke des theoretischen und praktischen Wissensaustauschs zwischen deutschen und chinesischen Wissenschaftlern möglichst anschaulich und spannend berichten.

Exkursionsziele des 2. LepiPub Workshops

Exkursionsziele des 2. LepiPub Workshops

Was ist eigentlich “kryptische Artbildung” ?

Dienstag, Dezember 1st, 2009

Der Dezember naht und damit der zweite Workshop im Rahmen des LepiPub Projektes. Kernpunkt des Workshops bildet die Exkursion der deutschen Wissenschaftler gemeinsam mit ihren chinesischen Kollegen in den Süden Chinas. Eine Vertreterin der deutschen Delegation, Sylvia Ritter vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, arbeitet im Rahmen ihrer, von der Volkswagenstiftung geförderten, Doktorarbeit, u.A. am spannenden Thema kryptische Artbildung. Was versteht man aber eigentlich unter kryptischer Artbildung.Cymothoe egesta / Cymothoe confusa

Von kryptischen Arten sprechen die Systematiker der Biologie, wenn sich hinter einer morphologisch klar abgegrenzten und wissenschaftlich beschriebenen Art eigentlich mehrere Arten, meist nah verwandt, verbergen (Bickford et al. 2006). Diese Arten sehen sich zum Verwechseln ähnlich, da sie im Laufe ihrer Evolution zwar ihre ökologische Nische geändert haben, z.B. die Spezialisierung auf bestimmte Wirte, jedoch nicht ihr Aussehen. Da der Mensch (als „visuelles Tier“) die meisten seiner Mitgeschöpfe auf Grund morphologischer Eigenheiten klassifiziert und voneinander abgegrenzt hat, verbergen sich viele unentdeckte Arten hinter der jeweils beschriebenen „Morphospezies“. Erst mit der breiten Nutzung von molekulargenetischen Methoden, besonders der Sequenzierung von ganz bestimmten Genabschnitten, konnten in den letzten Jahren viele kryptische Arten entdeckt werden.

Sylvia Ritter (UFZ) beim Erfassen von GPS Koordinaten

Sylvia Ritter (UFZ) beim Erfassen von GPS Koordinaten

So auch bei den Schmetterlingen, wie z.B. bei dem tropischen Edelfalter Cymothoe egesta (McBride et al. 2009) oder bei dem neotropischen Dickkopffalter Astraptes fulgerator (Hebert et al. 2004). Auch bei den eurasisch verbreiteten, stark gefährdeten Ameisenbläulingen (Phengaris) wird vermutet, dass sich hinter den heute bekannten Arten mehrere bisher nicht entdeckte kryptische Arten verbergen (Als et al. 2004). Sylvia Ritter untersucht, ob diese Vermutung bestätigt werden kann. Sollte dem so sein, dann hätte das Auswirkungen auf den Gefährdungsgrad und auf den daraus abzuleitetenden Schutzstatus dieser faszinierenden Schmetterlings“arten“.